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Rätselgedicht Nr. 1784

von Ignaz Franz Castelli

Scharade (1+2 Silben) in drei Liedern

Erstes Lied: Erste Silbe.

Ich kenn' ein Rädchen,
Drauf jeder spinnt,
Bald gute Fädchen,
Bald schlechte gewinnt.

Man darf es nicht drehen,
Läuft immer fort,
Zu Dienste wird's stehen
An jedem Ort.

Bist lustig, so dreht es
Sich wunderbar schnell,
Bist traurig, so geht es
Fast nicht von der Stell.

Und hoffst du schon freudig,
Dass viel du gewinnst;
Zerrüttet man neidig
Dir oft, was du spinnst.

Am Rocken gebunden
Genau ist dem Maß,
Neu aufgewunden
Wird niemals dir was.

Der Arbeit Beginnen
Wird selten dir schwer,
Viel Blumen beim Spinnen
Blüh'n rings um dich her.

Du sitzest am Rädchen
Mit heiter'm Gesicht,
Und spielst mit den Fädchen,
Und kümmerst dich nicht.

Doch bald merkst mit Sehnen,
Du sitzest allein,
Da netzest mit Tränen
Den Faden du ein;

Da suchest du eine
Gehilfin dir aus,
Die bringt dir auch kleine
Spinner in's Haus.

Da muss es wohl geben
Ein reicher Gespinst,
Doch reicht oft zum Leben
Nicht hin der Gewinnst.

Zu End' geht der Rocken,
Wie lohnt sich dein Fleiß?
Der Mund ist dir trocken,
Der Kopf ist dir weiß.

Dein Glück sind die Fädchen,
Die einst du gedreht,
Jetzt knarret das Rädchen,
Gar langsam es geht.

Spinnst doch noch mit Freuden
Und lächelst dabei,
Drei Schwestern dann schneiden
Den Faden entzwei.

Dann spinnest du nimmer,
Verlässest den Ort,
Doch's Rädchen dreht immer
Und immer sich fort.

Zweites Lied: Zweite und dritte Silbe

Hat mein Liebchen recht schelmische Blicke,
Sitzet d'rin Amor mit all seiner Tücke,
Neckt mich und lächelt verstohlen die Böse
Bei meiner Seufzer gewalt'gem Getöse; –
Dann nenn' ich sie eine... Stille doch – nein,
Sag's nicht dies Wörtchen, erraten will's sein.

Fröhliche, die über gar nichts sich härmen,
Überall kosten und weiter dann schwärmen,
Witzig und standhaft ihr Ziel stets erreichen,
Und sich nicht scheuen vor lustigen Streichen,
Vögel der Art nennt man .... Stille doch, nein,
Sag's nicht dies Wörtchen, erraten will's sein.

Matz hatte sich mit Susannen vermählet,
Er hat nur ihre Dukaten gezählet,
Sie hat allein seinen Adel erwogen,
So hat sich Eins in dem Andern betrogen;
Ehen wie diese sind .... Stille doch, nein,
Sag's nicht dies Wörtchen, erraten will's sein.

Mögen dich, freundlicher Leser, im Leben
Immer nur Freude und Frohsinn umschweben,
Möge das Glück auf der Ferse dir wallen,
Dass aus der Urne des Schicksals dir fallen
Immer die heitersten .... Stille doch, nein,
Sag's nicht dies Wörtchen, erraten will's sein.

Drittes Lied: Ganzes

Der Herbst, der Maler, malte
Die Blätter gelb und rot;
Da sollt' ich von ihr scheiden,
Wie mir die Pflicht gebot.

Wir gingen auf die Wiese
Zum Bächelchen hinab,
Wo sie im vor'gen Lenze
Den ersten Kuss mir gab.

Sie sprach: «Als wir uns fanden,
Wie schön war da die Flur,
Und jetzt, – sieh, wie verändert,
Es trauert die Natur.

Bis du nicht wiederkehrest,
Erscheinet mir kein Mai;
Wirst du mir auch entfernet
Bewahren Lieb' und Treu?"

Indem ich ihr nun zärtlich
In's Tränenauge schau',
Bück' ich mich schnell und pflücke
Ein Blümchen rötlich-blau.

"Der Name dieses Blümchens
Gibt frohe Antwort dir,
Dass ewig ich dich liebe –"
Und lieg' im Arme ihr.

Lösung anzeigen

Zeit + Lose = Zeitlose

Verweise

Scharaden, Castelli