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Rätselgedicht Nr. 1410

von Elise Sommer

Worträtsel

Meinem Freunde, Herrn Doktor Witte zu Göttingen geweiht

Ganz wesenlos durchwall' ich Flur und Haine,
Bin hier und dort und da und überall;
Wenn ich dir klar und ungetrübt erscheine,
Dann schimmert lieblicher das Blütental;
Die Gottheit nahm zu ihrem Bild das meine,
Ich schweb' um Eos Kranz im Abendstrahl,
Ich woge um die Harmonie der Sphären,
Mir glüht die Brust an heiligen Altären.

Oft bin ich auch an engen Raum gebunden,
Dann nahet leise sich dein Genius!
Geräuschlos flieh'n die seligsten der Stunden,
Dem Weisen winken sie zum Selbstgenuss,
Das Göttliche wird höher dann empfunden,
Und tiefer wird des ernsten Forschers Schluss
Denn lieblicher entblühen die Gestalten,
Die sich im Hafen stiller Ruh' entfalten.

So wie ich dir in der Natur erscheine,
Bald klein, bald groß, und immer wandelbar,
So, Sterblicher! ist auch mein Los das deine:
Dem glimm' ich schwach und jenem leucht' ich klar,
Zur Sonnenhöhe schwingt sich seine reine
Vernunft, erkennend alle Dinge wahr,
Er nähert sich dem unsichtbaren Meister,
Und glänzet hoch empor im Reich' der Geister.

Welch' eine Fülle lieblicher Gedanken,
Entblühet diesen holden Phantasien,
Ich seh' Gestalten in dem Lichtstrom wanken,
Hier blitzen, dort elektrisch Funken sprüh'n,
Still Gutes wirken in gebund'nen Schranken,
Für Menschenwohl voll edlen Eifers glühn:
So sah' ich Dich im hohen, geist'gen Leben
Hell strahlend unter den Gestalten schweben!

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(unbekannt)

Anmerkungen

entblühen ist veraltet für verblühen; auch dichterisch für sterben.

Verweise

Worträtsel, Sommer