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Rätselgedicht Nr. 1170

von Gustav Theodor Fechner

Rätsel

Ein Zaub'rer bin ich, der zum Lichte
Geboren ward aus dunklem Schacht;
Meist königlich ist mein Gesichte,
Von lichtem Silber meine Pracht,
Und kaum gibt's höheres Entzücken,
Als was man schöpft aus meinen Blicken.

Ich wandr' umher im ganzen Lande,
Da läuft mir alles hinterdrein;
Der Bettler, wie der Mann von Stande,
Sie rufen alle mich herein,
Und der, für den ich mich entscheide,
Wird gleich verfolgt von aller Neide.

Doch lange darf ich nirgends weilen;
Meist heißen sie nach kurzer Rast
Von selbst mich wieder weiter eilen,
Den erst so gern empfangnen Gast.
Wer mich am liebsten schien zu wollen,
Heißt oft am zeitigsten mich trollen.

Den Grund davon, wollt ihr ihn hören?
Wohlan! mein Brauch war immer der,
Beim Abschied jedem zu bescheren
Von einem Wunsche die Gewähr;
Der Wunsch sei töricht oder weise,
Er wird erfüllt, so wie ich reise.

Wohl manchem hat zu eignem Schaden
Gereicht, was er durch mich begehrt;
Er wird mich dennoch wieder laden,
Noch eh' die Gabe ist verzehrt;
Und führte sie ihn zum Verderben,
Noch halten gerne mich die Erben.

Selbst mag ich nicht gern lange rasten,
Es macht mir Pein zu liegen still;
Darum lass ich den Toren fasten,
Der mich nicht von sich lassen will;
Dem Haus vor allem bring' ich Ehre,
Wo ich oft geh' und wiederkehre.

Bin ich nun lang' herumgezogen,
Erlischt mein Glanz, und mein Gesicht,
Als ob des Trunkes ich gepflogen,
Wird kupfrig, fast erkennt man's nicht;
Doch bleib' ich, ob gleich nicht mehr prächtig,
Noch gleich willkommen und gleich mächtig.

Mein Leib geht niemals zwar in Trümmer,
Doch wandl' ich gern mich, bin ich alt;
Ein neues Antlitz, frischer Schimmer
Schmückt jugendlich dann die Gestalt;
Sodann beginn' ich meine Reise
Von Neuem auf die alte Weise.

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Geld

Verweise

Worträtsel, Fechner