ALL EN FR ES IT

Logo

≡ ► ◄ ▲

Rätselgedicht Nr. 1005

von Franz Brentano

Worträtsel

Die tollen Musikanten

Kenn eine Musikbande,
Darin auch Überspannte.
Sah sie zu vieren hin
Zu froher Hochzeit ziehn.
Da will man springen, schwingen,
Dazu soll's lustig klingen.

Doch, ohne Rücksicht ob das stört,
O Tücke!

Hat einer zu spielen da aufgehört
Noch mitten in dem Stücke.
Die eigne Musik hat's ihm angetan:
Wo alles schwingt
Und alles springt,
Da kommt's ihm mit zu springen an.

Und seltsam auch ist's, sie zu sehn
Selbander ihres Weges gehn.
Gekommen an eine Brücke,
Scheint ihnen rechts und links vertauscht
Mit vorwärts und zurücke.
Sie wollen – ist das nicht ganz toll? –
Als wären sie heurigen Weines voll,
Hinab nach der Seite alle.
Doch keiner von ihnen ist wirklich berauscht,
Und keiner kommt zu Falle.

Lösung anzeigen

Die vier Musikanten sind die vier Saiten einer Geige. Die Geige wird auf einer Hochzeit gespielt, die Saiten schwingen, eine springt. Die beiden (selbander) losen Enden hängen nun links und rechts herab, nach der Seite alle, seltsam anzusehen.

Zugegeben, die Lösung ist nicht ganz wasserdicht, vor allem der zweite Teil des Gedichts ist nicht so ganz schlüssig.

Anmerkungen

Selbander ist ein heute nicht mehr gebräuchliches Wort für zu zweien.

Brentano hat selbst keine Lösung angegeben, es könnte durchaus sein, dass er eine andere Lösung im Sinn gehabt hat. Beispielsweise:

Es handelt sich um vier Frösche, die Hochzeit ist ihre eigene, sie quaken, um Weibchen für ich zu gewinnen; einer  hat Erfolg und hört zu quaken auf (aber warum hat es ihm die eigene Musik angetan?). Die Frösche wollen dann ins Wasser, rechts und links einer Brücke, nicht darüber hinweg. Aber auch hier passt der zweite Teil des Gedichts nicht – beispielsweise, warum ist rechts und links mit vorwärts und zurück vertauscht?

Verweise

Worträtsel, Brentano, Schupp, Forum