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Rätselgedicht Nr. 8992

von Immanuel Gottlieb Moser

Rätsel

Du Heilige, die kein Kalender nennt
Für die mein Herz in heißer Liebe brennt,
Von jeder Religion mit Scheu verehrt,
Dein Heiligenschein hat manches Aug' versehrt,
Dich zu beschützen hat ein Mancher hoch
Geschworen, dem du dich entzogen doch!

Ach! Deine Feindin hat in ihrem Wahn
Um dir zu gleichen, Masken angetan;
Gehuldigt ward ihr, weil man unbedacht
Für dich sie nahm, und dich nicht nahm in Acht,
weil du dich freilich allzu gern versteckst,
Mit falschen Spuren, die dich suchen, neckst.

Das solltest, Heilige, du nimmer tun;
Wie selig wär' in deinem Schoß zu ruhn,
Wie brächtest Frieden du ins arme Herz,
Das Mitleid plagt mit seines Kopfes Schmerz,
Wie wäre, zeigtest du dich unverhüllt,
Von dir allein Geist und Gemüt erfüllt!

Die von der Erde wie vom Himmel stammt,
O Heilige, versieh dein Mittleramt!
Vernichte deine Feindin, ob sie fromm,
Ob sie gottlos in deiner Maske komm':
Entferne die Luftspiegelungen von mir,
Die mich abwenden von dem Weg zu dir!

Und wär' ein Mensch vor dir nicht zu gering:
Wie vor dem Regen sich ein Schmetterling
In einer Winde Blüt' ein Obdach sucht
Und ruht in des gesenkten Kelches Bucht;
So möcht' ich unter deinem Schirme tun,
Von eiteln Wortschwalls Träufen auszuruhn.

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Wahrheit

Verweise

Worträtsel, Moser