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Rätselgedicht Nr. 7397

von Eduard Prosch

Logogriph

Es lebt' einmal in alten Zeiten
Ein König, dem Gott Bacchus hold
Die Macht verlieh zum Goldbereiten,
Was er berührte ward zu Gold.

Doch eins, was ihm schon ungeboren,
Verdross ihn sehr in seinem Glück;
Er hatte lange Eselsohren
Und barg sie mühsam mit Geschick.

Nun rat' ich Dir, nimm von dem König
Das Erste und das Letzte ab,
Dann bleibt Dir scheinbar freilich wenig,
In Wahrheit mehr als Bacchus gab.

Denn mehr als Gold und Krösusgaben
Und was sonst groß und herrlich scheint,
Was sonst nur viele Schönes haben
Ist hier in einem Wort' vereint.

Dahin sind nun die Eselsohren
Und alles, was noch tadelswert,
Doch ging die Kraft nicht mit verloren,
Die Dionysos einst beschert.

Denn wie es jetzt mit Anmut handelt
Und nur beglückt durch Rat und Tat,
So wird auch stets in Gold verwandelt
Noch alles was dem Worte naht.

Veredelnd wirket seine Nähe
Und das Gemeine hat nicht Raum,
Zur Freude wird das größte Wehe.
Es selber ahnt den Zauber kaum.

Im andern Sinn kannst Du es sehen
Wie hoch es in die Wolken ragt,
Wo ew'ge Frühlingslüfte wehen
Und Philomele sehnend klagt.

Doch ist der Zauber schnell verloren,
Nimmst Du dem Wort die Mitte jetzt;
Es schreit als hätt' es Eselsohren,
Und würd' ins Eselreich versetzt.

Das ist der König, ist der dumme,
Der all sein Glück im Golde sah,
Der nichts verlor als nur drei Stumme
Und schreit als ob ihm Leid geschah.

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Midas, Ida, IA

Anmerkungen

Midas ist der Name mehrerer Könige von Phrygien. Zum Teil haben sie mythischen Charakter; mindestens ein Midas ist aber eine historische Persönlichkeit. Eine dieser Legenden ist folgende:

Um so weise wie Silenos zu werden, glaubte Midas, genüge es, ihn zu fangen. Er stellte ihm eine Falle, indem er einer Waldquelle Wein beimischte, aus der Silenos trank und berauscht einschlief. Dionysos, der seinen alten Lehrer vermisste, musste dem König für dessen Freigabe einen Wunsch erfüllen. Midas wünschte sich, dass alles, was er berühre, zu Gold würde. Der Wunsch wurde ihm gewährt. Doch da ihm nun auch Essen und Trinken zu Gold wurden, drohte ihm der Tod durch Hunger oder Durst. Deshalb bat er den Gott, die Gabe zurückzunehmen. Dionysos riet ihm, im Fluss Paktolos zu baden, auf den dann die Gabe überging, so dass er zum goldreichsten Fluss Kleinasiens wurde.

Bacchus ist ein Beiname des Dionysos, des Gottes des Weines und des Rausches in der griechischen Mythologie.

Philomele ist eine dichterische Bezeichnung für die Nachtigall. Philomele und Prokne waren Schwestern und Töchter des Königs Pandion von Athen, welcher die letztere dem thrakischen Fürsten Tereus zur Gemahlin gab, dem sie einen Sohn Itys gebar. Auf ihren Wunsch holte Tereus die Philomele von Athen ab, um sie zu ihrer Schwester zu bringen, entehrte sie aber unterwegs, und damit sie ihn nicht verraten könne, sperrte er sie ein und schnitt ihr auch noch die Zunge ab. Prokne aber gab er vor, Philomele sei unterwegs gestorben. Philomele stickte ihre Geschichte jedoch in ein Tuch und fand Gelegenheit, dieses ihrer Schwester zuzuschicken, von der sie hierauf an einem Bacchusfeste befreit wurde. Aus Rache fassten die Schwestern nun den unmenschlichen Vorsatz, den Itys zu schlachten und seinem Vater vorzusetzen, und während er noch davon aß, trat Philomele mit dem Kopfe seines Sohnes ins Gemach. Verfolgt vom Tereus ergriffen die Schwestern die Flucht, auf der Philomele in eine Nachtigall, Prokne in eine Schwalbe, Tereus in einen Wiedehopf, außerdem noch Itys in einen Fasan verwandelt und Philomele mit beständiger Schlaflosigkeit bestraft wurden.

Verweise

Logogriphe, Prosch