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Rätselgedicht Nr. 5199

von Rudolf Treichler

Homoionym

Er war ein Heim des Gottes und der Götter,
Von edlem Stoffe und geziert mit Gold —
Sie wohnten drin, bewahrt vor Sturm und Wetter,
Und allen Frommen neigten sie sich hold.

Er hob sich hundertfach in alten Zeiten,
In Stadt und Land, in Süden, Ost und West —
Er sank in Schutt in allen Weit' und Breiten —
Nur wenige Säulen ragen noch zum Fest!

Und doch hat einen einst — in kleinstem Lande! —
Sein Ruhm und Preis! — Noch eh er sank dahin —
Besucht Gott selber und von Schmach und Schande
Gereinigt und geweiht — zum Tode ihn?

Er ward ein Hort einst ritterlicher Pfleger,
Die seinen Namen trugen durch die Welt —
Der schnöden Habgier furchtbarer Erreger —
Zur letzten Haft dem Königshaus bestellt...

Auch er dahin — und nur in Geistbereichen
Erhebt — als letztes, höchstes Menschenziel! —
Noch einer sich — mit seinem heil'gen Zeichen
Befeuernd aller Sucher rein Gefühl!

Auch du, o Mensch, du hast ihn einst erhalten
Aus Gottes eigner Hand, sein Urgebild!
Mögst du ihn immer würdiger gestalten,
Als seine Heimstatt, die ihn hegt und hüllt!

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Hain, Freund Hein, Heine

Anmerkungen

Ein Hain ist ein kleiner Wald (Wäldchen) oder ein Gehölz. Zahlreiche antike Belegstellen geheiligter Waldstücke wurden mit dem Wort »Hain« ins Deutsche übersetzt und reicherten ihrerseits den Begriff mit sakralen und poetischen Konnotationen an.

Freund Hein (oder Hain, Gevatter Hein, Bruder Hein) ist eine euphemistische und allegorische Bezeichnung im Deutschen für den Tod (Personifikation).

Christian Johann Heinrich Heine (* 13. Dez. 1797 als Harry Heine in Düsseldorf; † 17. Feb. 1856 in Paris) war einer der bedeutendsten deutschen Dichter, Schriftsteller und Journalisten des 19. Jahrhunderts.

Verweise

Homoionyme, Treichler