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Rätselgedicht Nr. 4776

von Gustav Feuerlein

Rätsel

Ein Bubenstück, von keinem Blick belauert,
Durch eines Toten Wiederkehr entdeckt,
Der, selbst von einer Fürstengruft ummauert,
Aus ihr den Ausbruch geisterhaft vollstreckt,
Ein Bubenstück, vor dem die Hölle schauert,
Hat meinen Grimm und meine Rach' erweckt,
Mich, weil ich deren Stillung aufgeschoben,
Bis zum Humor des Wahnsinns aufgeschroben!

Zu innig war, zu heiß mein Durst nach Rache,
Als dass er mir vorschnelle Rach' erlaubt:
Ich traf den Frevler betend im Gemache,
Schon blizt mein Eisen über seinem Haupt:
»Nicht, wenn er betet« flüstert mir die Rache:
»Nein! wenn er schwelgt, vom Epheukranz umlaubt,
In seines Weibs blutschänd'rischer Umarmung,
Send' ihn zur Höll', und ihm wird nicht Erbarmung!«

Ich spannt' ihn auf die Folterbank durch Mimen,
Es sah im Spiegel sich der Schmerzenshohn,
Sah seine Buhlin, sah den Kuppler Hymen,
Der ihm durch Gift zur Mitgift gab den Thron:
Von Reu' und Angst gestäupt mit herben Striemen,
Ward ihm ein Vorschmack von der Hölle Lohn –
Da wünscht umsonst das Wunderwerk zu Nain
Am Bruder wiederholt der zweite Cain.

Die Krone wankt, die er mit Blut so mühsam
Sich auf das Haupt zu kitten sich bestrebt;
Kein Weihrauch überdüftet und kein Bisam
Den Mordgeruch, der sich gen Himmel hebt,
Kein Wasser wascht und keines Priesters Chrisam
Jhm von der Hand hinweg, was an ihr klebt –
Doch füllt sich immermehr mein Herz mit Wermuth,
Und immer finst'rer wird des Geistes Schwermuth.

Zu wählig in der Art den Mord zu rächen,
Mir gramer stets durch die Verzög'rung Schmach,
Mißgriff mein Angriff sich: nicht das Verbrechen,
Die Unschuld war es, die mein Schwert erstach;
Weh! des geschmeid'gen Höflings Augen brechen,
Sie büßen, was des Horchers Ohr verbrach:
Der Ratze ward – sie meint es doch so redlich! –
Ihr Rauschen hinter der Tapete tödtlich.

Und jene Holdin, o sie starb poetisch!
Als sie die Weide, statt der Myrt' umschlang;
Ich kalter Klotz war dieses Engels Fetisch,
Deß' Liebe keine Gegenlieb' errang;
O meines Wahnsinns Pol war nur magnetisch,
Hier war's, wo Herz und Herz zusammenklang:
Der Südpol ward vom Nordpol angezogen,
Und um ihr Gleichgewicht die Welt betrogen!

Er aber lebt noch, der durch Selbsterwählung
Mir abbetrog des gold'nen Scepters Macht;
Der meine Mutter frech durch Jäh꞊Vermählung
Zur Metz' aus einer Königswittwe macht;
Und meinem Vater sonder letzter Ölung
– Sie ward im Schlaf durch's Ohr ihm beygebracht –
Die ew'ge Ruh' geruhte zu gebieten,
Blos um sein Reich, so lang er schläft, zu hüten.

Um schnell're Rache schreit, eh' ihn Bemoosung
Unkenntlich macht, des Vaters Leichenstein;
Und in des Herzens grimmigster Erbosung,
Greif' ich zum Stahl, so giftig, spitz und fein,
Da fällt der Jüngling: Mord nur ist die Losung!
Ich dräng' mit ihm in Einen Sarg mich ein,
Die Mutter irrt noch um des Himmels Schwelle,
Der Aftervater fährt hinab zur Hölle.

Weh! dem unreinen Geiste, dessen Hefel
Durchsäuren muss den ganzen Geisterkreis:
Den schwarzen Bösewicht brennt aller Schwefel
Des ganzen Fegefeuers nimmer weiß;
Ihm gibt ob seines Meisterstücks von Frevel
Der Teufel selbst den ersten Sitz und Preis;
Die Hölle freut sich ihres neuen Königs,
Selbst ihr ist er ein nie geschauter Phönix.

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Hamlet

Anmerkungen

Hamlet ist ein Theaterstück von William Shakespeare. Das Stück spielt in Dänemark: Claudius, der Bruder von König Hamlet, ermordet den Herrscher, reißt die Krone an sich und heiratet Gertrude, die Witwe des Königs. Prinz Hamlet strebt danach, seinen Vater zu rächen, und stürzt dabei alle Beteiligten ins Unglück.

Verweise

Worträtsel, Feuerlein