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Rätselgedicht Nr. 4639

von Carl Töpfer

Rätsel

Das Bettelkind

Wenn ich Dir meinen Lebenslauf
Mit treuen Farben male,
Beklagst Du wohl mein hartes Los
Im ird'schen Jammertale.

Gesindel, kein Honetter, lasst
An ihm die Finger kleben,
Hat in der Gosse, schmutzig, nass,
Das Dasein mir gegeben.

Man sollte glauben, wenn das Kind
Sich nett und reinlich hielte,
So war' es billig, dass es sich
Erträglich Los erzielte.

Mitnichten! das unschuld'ge Lamm
Hört man nicht auf zu hudeln!
Kaum hat's sein weißes Kleidchen an,
Gleich muss man es besudeln.

Ich armes, armes Bettelkind,
Wie bin ich zu beklagen!
Man bürdet mir das Ärgste auf,
Geduldig muss ich's tragen.

Man gibt mich schwarzen Männern preis,
Man schleppt mich in die Enge,
Ein ungeschliffner Bengel kneipt
Halb tot mich im Gedränge.

Komm ich heraus, kein Wasser wäscht
Die Flecken von dem Kleide,
Und wenn man mir das Leben lässt,
Ist's nur zu größer'm Leide.

Lastträger bin ich Lebenslang,
Unglücklichster von allen –
Denn ich entgelte meiner Last
Missfallen und Gefallen.

Missfällt sie, schließt mit Feuertod
Mein trauriges Verhängnis;
Gefällt sie, schickt man mich zum Lohn
Gebunden ins Gefängnis.

Lösung anzeigen

Das Papier

Anmerkungen

honett (veraltet) = auf eine eher biedere Art rechtschaffen, ehrenhaft und anständig und so jemandem wohlgefällige Achtung abnötigend

Verweise

Worträtsel, Töpfer