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Rätselgedicht Nr. 3796

von Carl Töpfer

Rätsel

Gewährung

»Mein Kind, was soll Dein starrer Blick? –
Das Spinnrad sucht den Weg zurück –
Du weinest nicht und seufzest schwer,
Als ob Dir Weinen Labsal wär'.«

»Ach, Mutter, Du bist so geduldig und gut,
Dass Du nicht schmäh'st, wenn die Spindel ruht:
Gibt sie Dir doch den Unterhalt klein,
Ach, Mutter – ich will recht fleißig sein!«

»Mein Kind, was treibt Dein Fuß das Rad,
Wenn es zersprengten Faden hat? –
Dir presst ein Stein das Herze, Kind,
Wälz' ihn vor der Mutter ab geschwind.«

»Ach, Mutter, nichts engt so sehr die Brust,
Als wenn man der Sünde sich bewusst –
Ich darf den Sinn nicht erheben zu Gott,
Mein Gebet ist Fluch, meine Andacht Spott!«

»Hilf dir St. Bernhard, Dein Patron!
Dein Irrsinn spricht dem Höch'sten Hohn:
In Beten, Fasten und Kastei'n
Wasch' Dich von solcher Sünde rein!«

»St. Bernhard wendet von mir sein Gesicht,
Mir hilft Kastei'n und Buße nicht,
Versperrt hab' ich das himmlische Tor
Meinem Wort und Tun – es dringt nicht empor.

Denn wisse, an jenem trüben Tag,
Als den Liebsten hinwegrief der Trommelschlag,
Hab' ich, von wilder Verzweiflung berückt,
Ein entsetzlich Gelübde gen Himmel geschickt:

Ich schwörte ab aller Gnade und Huld,
Ich verzichtete auf Vergeben der Schuld,
Wenn mir eines Boten willkommner Mund
Vom Liebsten nicht täte drei Wörter kund.

Ich sollte gehört nicht sein im Gebet,
Was ich Gutes tu' werden wie Spreu verweht,
Jedes Band gelost zwischen droben und hier –
Gewahrte nicht Gott die drei Wörter mir.

Ich Sünderin habe vergebens geharrt,
Mit Beben hin auf den Weg gestarrt,
Die Zeit verstrich – kein Bote kam,
Der durch die drei Wörter die Sünde mir nahm.«

»Allvaters Güt' ist ohne Ziel –
Du tatest, Kind, des Frommen viel:
Du hast so manche lange Nacht
In Sorg' und Müh'n für mich gewacht.

Wenn rings umher das junge Blut,
Sich bei Gelagen gütlich tut,
Bleibst Du im freudeleeren Haus,
Und hältst bei Deiner Mutter aus.

Du regst die Hand' in Hitz und Frost,
Gibst mir das Gute von der Kost,
Und darb'st – Du bist vom Makel rein,
Gott wird auch Dir barmherzig sein.«

»Nein, Mutter, ein schwörendes Frevelwort,
Spinnt sich bis in die Ewigkeit fort!
Meine Seele den Weg zum Himmel nie find't,
Ich bin ein armes, verlorenes Kind!!«

»Horch, Tochter, Horch! Es klopft am Tor.
Ich schob den großen Riegel vor.
Bleib', Kind, Du bist zum Umfall'n matt,
Will selbst sehn, wer gerufen hat.«

Und ein bewaffneter Mann trat herein,
Der wollte zur Jungfrau geführet sein,
Und als sie zitternd nach Heinrich gefragt,
Hat er ihr schmerzhaft drei Wörter gesagt.

Drei Wörter, dieselben drei, die sie betört
Vom Himmel einst trotzig, sünd'gend begehrt,
In denen sie Glückes Morgenrot
Zu jener Zeit suchte – jetzt brachten sie Tod.

Einen Augenblick gab sie sich wüstem Schmerz,
Dann fiel des Himmels Licht in ihr Herz:
»Ja, Mutter,« sprach sie mit brechendem Blick,
»Der Vater fordert sein Kind zurück;

Die Scheidewand fällt, der Bote kam,
Der durch die drei Wörter die Sünde mir nahm;
Zwar anders muss ich sie jetzt verstehn,
Doch Engelsruf kündet mir Wiedersehn!«

Die Alte weint und jammert sehr,
Im Kinde ist kein Leben mehr,
An Jahren hoch, von Sorgen schwach,
Folgt sie wohl bald der Pfleg'rin nach.

Lösung anzeigen

»kommt, nicht gefallen« und »kommt nicht, gefallen«

Anmerkungen

Es gibt mehrere Heilige namens St. Bernhard, allerdings nur einen einzigen Schutzheiligen, der hier möglicherweise gemeine ist:

Bernhard von Menthon (auch Bernhard von Aosta, Bernhard von Mont-Joux, um 1000 n. Chr.) ist ein Heiliger der katholischen Kirche und seit 1923 Schutzpatron der Alpenbewohner und Bergsteiger. Bernhard von Menthon gründete das Hospiz auf dem Grossen Sankt Bernhard, eine der ersten Einrichtungen zum Zwecke der Rettung aus Bergnot. [Wikipedia]

Verweise

Worträtsel, Töpfer, Forum