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Rätselgedicht Nr. 3647

von Johann Friedrich Kind

Rätsel

Gefesselt an die niedern Räume,
Auf freier Flur, im Blumenland,
Im Schatten blätterreicher Bäume,
Verlebt' ich meinen Prüfungsstand.

Ich sehnte rastlos mich von hinnen,
Begann, erfasst von Angst und Graun,
Das Totenhemd mir selbst zu spinnen,
Am eignen Sarkophag zu baun.

Und kaum, dass ich den Bau vollführet,
Da legt' ich freudig mich hinein;
Mit Mumienbanden fest geschnüret,
Erhofft' ich baldiges Befrei'n.

Doch, schleichend und mit dürrem Stabe,
Schnee auf dem Haupt, im Barte Eis,
Trat still als Wächter zu dem Grabe
Ein finstrer, mitleidsloser Greis.

Umsonst möcht' ich mich leise regen,
Stets ernst und starr blieb sein Gesicht;
Ach! manchen Mond hab' ich gelegen,
Das Herz des Alten rührt' es nicht!

Doch plötzlich drangen durch die Ritzen
Des Sarges Licht und sanfte Glut;
Der Sonne Strahlen sah ich blitzen,
Und fühlte Lebenslust und Mut

In Jugendschöne kam ein Ritter,
Geschmückt mit Blumenkranz und Strauß,
Keck an des Mausoleums Gitter,
Und rief den Greis zum Kampf heraus.

Ich sah sie kämpfen, sah sie ringen;
Der Jüngling schwang den Blumenschaft,
Den finstern Wächter zu bezwingen;
Der Greis erlag der Heldenkraft.

Und als nun des Erretters Finger
An meines Grabes Thore schlug,
Zerbrach ich meinen Totenzwinger
Und wand mich aus dem Leichentuch.

Hell schimmernd gleich dem Morgenrote
Und wie des Himmels Azurzelt,
Schwang ich mich auf, des Jünglings Bote,
Der Herold einer schönern Welt.

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Der Schmetterling

Verweise

Worträtsel, Kind