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Rätselgedicht Nr. 2529

von Karl Jacht

Logogriph

Die Sonne brannte heiß; auf einem Hügel
Stand ich, und sah hinab ins stille Tal,
Der See lag ruhig wie ein klarer Spiegel,
Die Schnitter setzten sich zum kräft'gen Mahl.
Der Vögel munt'rer Chor im nahen Haine
Verstummte jetzt; der Mittagssonne Brand
Verscheuchte mich vom Hügel, und am Raine
Ich Kühlung an dem nahen Bache fand.

Und aufgeschürzte Mädchen kamen munter,
Sie schöpften emsig aus dem klaren Quell,
Der murmelnd zwischen ganzen Scharen bunter
Feldblümchen rieselte, wie Silber hell;
Dann eilten sie mit ihren vollen Krügen
Eilfertig hin zu dem, was Dir mein Wort
Jetzt nennt, und wenn nicht meine Augen trügen,
So gossen sie, was sie geschöpfet, fort.

Dort ziehen auf dem grünen Schmelz der Fluren
Sich lange Streifen blendend weiß wie Schnee,
Doch sind es nicht des rauen Winters Spuren,
Die schaut man jetzt nur auf der Alpen Höh'.
Des Landmanns Werk ist's, das mit vielen Mühen
Bereitet hat der Dirnen flinke Hand,
Das hier nun, durch der Sonne strahlend Glühen,
Vollendung in des Schöpfers Werkstatt fand.

Horch! von des nah geleg'nen Kirchturms Spitze
Mit feierlichem Ton die Glocke klingt;
Ich eile schnell von meinem Rasensitze
Dort hin, von wo der Ton herüberdringt.
Geöffnet ist des Friedhofs stille Pforte,
Ein Zug, den man als trauernd bald erkennt,
Begleitet das zu dem Vollendungsorte,
Was, lässt das Haupt Du fort, mein Wort Dir nennt.

Ich stand jetzt zwischen moosbedeckten Hügeln,
Verstummet war der Glocke dumpfer Klang,
Und, leicht umrauscht von Zephyrs sanften Flügeln,
Der Abend mild und kühlend niedersank.
Nun streckte seine grün belaubten Äste
Mein Wort zu Dir, nimmst Du das Haupt ihm fort,
In blauer Luft, und anmutsvolle Weste
Umsäuselten den schauerlichen Ort.

Auch du wirst einst in Staub und Asche sinken,
Dacht' ich bei mir, und schaute nach dem Baum,
Es wird die Axt, dich zu verderben, blinken,
Nicht achtend, dass du Schatten gabst dem Raum;
Dann wird die Wohltat, die du einst gewährtest,
Wie viel des Guten, schnell vergessen sein,
Und ach! dein Fall uns ohne Worte lehret:
Dass alle Erdengröße eitler Schein

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Bleiche, Leiche, Eiche

Anmerkungen

Zephyr (auch Zephyros oder Zephyrus, gr. "der vom Berge Kommende") ist einer der Anemoi, eine Windgottheit aus der griechischen Mythologie, die den (milden) Westwind verkörpert.[Wikipedia]

Verweise

Logogriphe, Jacht