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Rätselgedicht Nr. 1146

von Friedrich von Sallet

Rätsel

Ein harmloses Räthsel

(In Fürchtegott Haarbeutels langem Philisterton)

Wie heißt der Mann, den alle leiben,
Die guten Deutschen doch zumeist,
Und der doch nie etwas betrieben,
Was irgend groß und tüchtig heißt?

Mir, ich gesteh's, ist er zuwider,
Denn überall drängt er sich ein,
Lässt in den Sorgenstuhl sich nieder,
In jedem Haushält muss er sein.

Die Kanzel hat er auch betreten,
Er exerziert, sitzt zu Gericht,
Er liest an Universitäten
Und hat im Staatsrat viel Gewicht.

Schlafmütze nennt sich seine Krone
Und fragt ihr, was er sinnt und Hut?
Er blinzt und lächelt nur zum Lohne,
Wenn Jeder stets wie Alle tut.

Wenn einer macht mit hundert Schritten,
Was man mit einem Sprunge kann,
Das sind ihm alte, gute Sitten,
Das sieht er sich behaglich an.

Doch willst du Großes, Eignes schaffen,
Da wird der Stumme plötzlich laut,
Er wird dich schmäh'n und dich beklaffen,
Bis allen Menschen vor dir graut.

Und willst du fassen ihn beim Kragen —
Gleich über dich fällt Alles her,
Du wirst gescholten und geschlagen,
Denn Alle lieben ihn zu sehr.

Ein Kerl, so lappig und so schmächtig,
So gänzlich ohne Witz und Mark;
Und dennoch herrscht er fast allmächtig;'
Wer ihn besiegt, ist löwenstark.

O lag' er lieber doch zerschlagen,
Zerquetscht auf einer Eisenbahn!
"Wie heißt er denn?" Ich will's euch sagen.
Es ist — der alte ...

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Schlendrian

Anmerkungen

Friedrich von Sallet (* 20. April 1812 in Neiße; † 21. Februar 1843 in Reichau bei Nimptsch, Landkreis Strehlen, Schlesien), war ein deutscher Dichter. Aus der Sammlung "Ernsthafte Gedichte".

Quelle

Friedrich von Sallet's Sämmtliche Schriften, Zweiter Band, Gesammelte Gedichte. Breslau, Verlag von August Schulz, 1845, Seite 396

Verweise

Worträtsel, Sallet