ALL EN FR ES IT

Logo

≡ ▲

Soviel du kannst!

Gesellschaft

Liebe per Mausklick? In den USA lauft der erste Scheidungsprozess wegen virtueller Untreue. "Batty-Botty", "Hanky-Panky" oder "Rumpy-Pumpy" - so oder noch kindischer pflegt der amerikanische Mann aus der gehobenen Mittelschicht den Koitalvollzug zu nennen.

Seit letzter Woche aber geistert ein neuer Begriff fuer den Beischlaf durch die Treffs und Tranken der Besserverdienenden in den USA. Er lautet, nicht minder infantil: "Rumble-Rumble". Diese Bereicherung ihres Sexualvokabulars verdankt die Mondfahrernation einem aufsehenerregenden Scheidungsverfahren, das die Amerikaner amuesiert wie selten ein Fall in ihrer Rechtsgeschichte: Es geht um die juristische Frage, ob virtuelle, am Computer veruebte Untreue, also sozusagen Batty-Botty durch Bits und Bytes, als vollzogener Ehebruch gelten kann oder nicht.

Hintergrund der Computer-Causa ist die bislang schaerfste Online-Affaere im Internet, dem globalen Computernetz, durch das sich die Teilnehmer per Tastatur und Mausklick bewegen.

Was sich zwischen Diane Goydan und ihrem Internet-Partner entwickelte, war allerdings eher eine Art Mausfick - so zumindest empfand es Mr. Goydan, als ihm klar wurde, was seine Frau mit ihrem Compu-Romeo so alles trieb: E-Mail-Gefluester mit Cybersex und Cyborgasmen, taeglich viele gebuehrenteure Online-Stunden lang, so dass der digital gehoernte Ehemann schliesslich befuerchten musste, er finanziere den gesamten Daten-Highway ganz allein.

Das sein Nebenbuhler sich hinter dem Pseudonym "Wiesel" versteckte, hatte er vielleicht noch als das ertragen, was man im Internet unter Humor versteht. Aber als seine Frau ihren Computer-Partner nicht mehr nur virtuell, sondern ganz viril im Bett haben wollte, verwandelte sich der bis dahin zauderhafte John in einen aktivierten Brandsatz: Er warf seine Frau aus dem Haus und verlangte die Scheidung.

Dianas Fehler war, das sie mit ihrem Mann zwar nicht mehr das eheliche Lager, aber nach wie vor den Computer teilte. So konnte John chronologisch von der Festplatte lesen, wie seiner Frau die Triebabfuhr per Tastatur immer weniger genuegt hatte: Alsbald unterbreitete sie ihrem elektronischen Cupido den Vorschlag, gemeinsam das Naechtigungsangebot der oertlichen Hotellerie zu nutzen.

"Ich moechte Rumble-Rumble", verlangte sie heissbluetig vom Wiesel, das damit nur zu einverstanden war, "soviel du kannst Rumble-Rumble" - mit den Scheidungspapieren kam der Begriff an die Oeffentlichkeit, und die Journaille brach ueber den 5000-Seelen-Ort Bridgewater/New Jersey herein, wo John Goydan nunmehr solo im vormals ehelichen Hause lebt.

Doch die Goydans und ganz Bridgewater widersetzten sich den Recherchen. Nur ein (vermutlich durch Suessigkeiten korrumpierter) Knabe lies sich dazu herab, die Vertreter der Presse dahingehend zu unterrichten, das Mrs. Goydan zwar ueber alle Attribute begehrenswerter Weiblichkeit verfuge, alles in allem aber "ziemlich stark gebaut, ja richtig dick" sei. Diese Mitteilung stand in diametralem Gegensatz zu ihrer Selbstbeschreibung am Computer, die Wiesel zu der Hoffnung verleitet hatte, er werde die Nacht mit einer exquisit gewachsenen Schoenheit verbringen.

Da zwischen beiden nur eine virtuelle, aber keine Begegnung im Fleische stattgefunden habe, konstatierte der New Yorker Staranwalt Raoul Felder, koenne rechtens von Ehebruch keine Reden sein. "Aber vor Gott und amerikanischen Gerichten ist alles moeglich", fuegte er grienend hinzu; "besonders wenn es um Rumble-Rumble geht."

Ihren vorlaeufigen Hoehepunkt erreichte die Posse letzten Dienstag, als Diane Goydan zum Gegenschlag ausholte. Die Cybersex-Delinquentin verklagte ihren Mann wegen Verletzung ihrer Intimsphaere. Begruendung: "Er hat das unglueckliche Wort publik gemacht, jetzt lacht ganz Amerika ueber mich."