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Wer kann mir helfen!

Diskussionen über Wörter und Texte des Wienerischen. Haben Sie ein Wort gehört, dessen Bedeutung Sie nicht kennen und von dem Sie glauben, daß es Wienerisch ist? Wollen Sie über eines der Wörter in unserem Lexikon diskutieren? Dies ist das richtige Forum dafür!

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Wer kann mir helfen!

Beitragvon wien61 » 11.04.2007 21:13

Es gibt einen echten Wienerischen Ausspruch der lautet:

"Man sieht sich auf der Schmelz!"

Ich stelle diesen Beitrag nun ein zweites Mal in das Forum, in der Hoffnung es kann mir jemand sagen, was dieser Ausspruch bedeutet.

Vielen Dank und liebe Grüße!
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Beitragvon 17erSnob » 12.04.2007 13:38

"auf der schmelz" haast ma trifft si im 15.
in der gablenzgasse ~um Hausnummer 235, beim sogenannten "Universitätssportzentrum auf der Schmelz".

oiso die schmelz is quasi a sportla-gretzl ;)
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Beitragvon Otto » 12.04.2007 15:55

Sport ist Mort! ;-)

Die Schmelz war zu k.u.k. Zeiten jedenfalls ein Truppenübungsplatz (wenn "Man sieht sich auf der Schmelz" ein alter Spruch ist, dann könnte es Militärjargon sein). Noch früher war die Schmelz eine Art Gewerbezentrum vor den Toren Wiens, wo "stinkende" Materialien geschmolzen wurden (Safensiada = Seifensieder), daher auch der Name.

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Vielen Dank!

Beitragvon wien61 » 13.04.2007 21:17

Ich freue mich wirklich über eure Antworten.
Hat man sich auf der Schmelz nicht auch früher duelliert? Und gibt es einen Zusammenhang mit einer solchen Aufforderung?`

Liebe Grüße an euch Alle:

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Beitragvon Otto » 14.04.2007 07:13

> duellieren auf der Schmelz

Ich weiß es nicht, aber diese Erklärung würde mir sehr gut gefallen (was noch lange nicht heißt, dass sie richtig ist). Ich habe jedenfalls nirgendwo was über Duelle auf der Schmelz gelesen.

Die Schmelz hat übrigens auch einen Wikipedia-Eintrag:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schmelz_(Wien)

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Lieber Otto!

Beitragvon wien61 » 14.04.2007 08:09

Sehr fein, nun bin ich Dank deiner Hilfe schon etwas näher. Soeben habe ich auf der Wikipediaseite herumgeschmökert. Aber die Bedeutung von dem Ausdruck, besser gesagt, was die Aufforderung: "Man sieht sich auf der Schmelz", heißt weiß ich noch immer nicht.

Es macht mich ganz kribbelig, es nicht herauszufinden. Weil diese anonyme Aufforderung in meinem Gästebuch eingetragen war.

Liebe Grüße und einen schönen Samstag:

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Beitragvon jerry » 15.04.2007 01:14

Die hier gemachten Aussagen und Schlussfolgerungen sind richtig.

Die Schmelz war eine Art Barackendorf, wie Otto schon erwähnte, gab es dort unter anderem die Seifensieder, klarerweise auch die Hader-Lumpen-Männer, die Stoffreste sammelten, aber auch Knochen, was wiederum für die Seifenproduktion nicht unwichtig war.
Seifensieder und Hader-Lumpen waren nicht sehr angesehen beim Bürgertum. Beide Berufsbezeichnungen wurden auch als herabwürdigende Schimpfworte gebraucht. Kein Wunder, dass auch deren Produktionsstätten mitsamt der Umgebung keinen guten Ruf hatten.

Immer wieder wurden größere Flächen von Baracken geräumt, bei einer dieser Gelegenheiten wurde dort auch eine Kaserne mit Übungsgelände angelegt. Hinter der Kaserne gab es oftmals Duelle, aber es gab auch Wirtshäuser, meist eher üble Buden, mit Rotlichmileu und Hasardspiel.

Von daher ist der Spruch "kumm auf de Schmööz!" (komm auf die Schmelz) gleichzusetzen mit "kumm auf de Bluatwiesn" (komm auf die Blutwiese), denn so wurden solche Stätten oft auch genannt. Doch ist auch die Bedeutung bekannt, dass die gemildertere Form "ma siecht si auf da Schmööz" (man sieht sich auf der Schmelz) zu einem gemeinsamen Verlustieren einlädt, bzw. auch ein Hinweis auf geheime gemeinsame Interessen birgt.
Dies jedenfalls sind die Bedeutungen, die mir bekannt sind. Es mag aber auch noch andere geben.


Edit: Was mich erstaunt, ist, dass ich deinen 1. Eintrag scheinbar schlichtweg übersehen hatte. Werde wohl alt ... :D
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Liebe(r) Jerry!

Beitragvon wien61 » 15.04.2007 08:35

Ich kann mich entsinnen, einmal Ähnliches im Geschichtsunterricht gehört zu haben, es war nur verschütten und möcht mich für deinen Hinweis auch gleich herzlich bedanken.

Das heißt der Eintragende in meinem Gästebuch, meint es wohl nicht all zu gut mit mir und es spricht blanker Hass aus den Zeilen - wie gruselig! Kein angenehmes Gefühl und nun grüble ich natürlich nach, wer diejenige Person sein könnte.

Einen schönen Sonntag, wünscht:

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Beitragvon Otto » 15.04.2007 09:10

> Knochen, was wiederum für die Seifenproduktion nicht unwichtig

Knochen waren noch viel wichtiger bei der Herstellung von Leim. Auch ein stinkendes Geschäft, das man innerhalb der Stadtmauern nicht dulden mochte.

Würde mich nicht wundern, wenn auch die Gerbereien dort angesiedelt waren.

Jerry, ich habe mich eh schon gefragt, warum Du Dir so lange Zeit gelassen hast! :-)

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Beitragvon jerry » 15.04.2007 18:15

Richtig, Otto.

Ja, weißt du, ich habe neben dem virtuellen auch ein RL. Und dieses stresst manchmal.

Ansonsten schaue ich täglich hier rein.
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