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Rätselgedicht Nr. 4615 Gold und Demanten ►gelöst◄

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Rätselgedicht Nr. 4615 Gold und Demanten ►gelöst◄

Beitragvon Waldkircher » 18.08.2016 21:32

Homoionym
Alles vergeblich

Gold und Demanten,
Reichtum und Pracht,
Haben noch keinen
Glücklich gemacht.
Was nützt das Prangen?
Bleich sind die Wangen —

Sei du nur froh, dass dich Krankheit verschont,
Wenn dir das Wort auf der Ersten betont.

Blühende Wangen,
Jugend und Kraft,
Haben den Ärmsten
Glück nicht geschafft.
Was nützt das Blühen?
Placken und Mühen —

Haben vor Hunger dich doch nicht verschont,
Wenn dir das Wort auf der Zweiten betont.

Neumann

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Vorschlag: Spielende. Ist auf jeden Fall ein schönes vanitas-Homoinym
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Re: Rätselgedicht Nr. 4615 Gold und Demanten

Beitragvon Engelchen » 19.08.2016 16:53

Lieber reich und gesund, als arm und krank ... :D

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... bleich sind die Wangen ---> blutarm (Blutarmut, Anämie)

Im anderen Sinn (mit anderer Betonung):
blut- als Präfix, drückt in Bildungen mit Adjektiven eine Verstärkung aus; sehr

Außer "blutjung" war mir bis jetzt allerdings kein derartiges Wort über den Weg gelaufen, doch der Duden kennt blutarm auch als sehr arm ---> ... haben vor Hunger dich doch nicht verschont.
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Re: Rätselgedicht Nr. 4615 Gold und Demanten

Beitragvon Waldkircher » 19.08.2016 19:11

@Engelchen: Eine schöne Lösung, die genau auf den Text sieht. War mir nicht geläufig in dieser Bedeutung. Aus dem Grimm: “ BLUTARM, perpauper, arm bis aufs blut: ein alt man und ganz blind und blutarm.“ Passt genau. Glückwunsch.
Ich bin dabei.
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Re: Rätselgedicht Nr. 4615 Gold und Demanten

Beitragvon Otto » 21.08.2016 11:13

Bin nicht überzeugt. Betonungsrätsel funktionieren üblicherweise anders, z.B. modern und modern. Das War Neumann durchaus bekannt.
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Re: Rätselgedicht Nr. 4615 Gold und Demanten

Beitragvon Waldkircher » 21.08.2016 19:11

@Otto: Was heißt denn üblicherweise? Betonungsrätsel heben auf unterschiedliche Wortbedeutungen gleich geschriebener Wörter (Homographen) ab, bei denen der jeweils unterschiedliche Wortakzent den Ausschlag gibt. Das trifft für Ihr Beispiel wie auch für Engelchens Lösung zu. In letzterer kann man durchaus ein Beispiel für die Reinform eines Betonungsrätsels (bzw. dessen Lösung) sehen, weil allein die Betonung entscheidet, anders als bei módern und modérn, bei denen ja unterschiedliche Wortarten vorliegen, d.h. eine Verwechslung in natürlicher Sprache ohnehin nicht möglich ist.
Wortartengleiche Homographen, die in unterschiedlichen Betonungen unterschiedliche Bedeutungen haben, sind im Deutschen sicher selten (andere Beispiele außer blútarm/blutárm, wären Ténor/ Tenór, Heroín/Heróin, úmfahren, umfáhren, Éssener/ Esséner). Noch seltener sind aber mit Sicherheit solche, bei denen die Wortart wechselt. Ich denke (und hoffe) nicht, dass Sie in Betonungsrätseln den Wechsel der Wortart für obligatorisch halten, oder irre ich mich?
Ich halte nach wie vor Engelchens Lösung für ebenso brillant wie aus dem Rätseltext heraus überzeugend und damit für richtig. Die "bleichen Wangen" mit blútarm und den Hunger mit blutárm zu verknüpfen, trifft es doch genau und verspannt vollkommen unterschiedliche Deutungen. Der einzige Schönheitsfehler ist, dass MIR das nicht eingefallen ist.
Zuletzt geändert von Waldkircher am 21.08.2016 20:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Rätselgedicht Nr. 4615 Gold und Demanten

Beitragvon Otto » 21.08.2016 19:45

Nun, die beiden Betonungen von "Heroin" oder "modern" oder "umfahren" oder "Graphen" stehen im Duden; die von Engelchen unterstellten Betonungen von "blutarm" nicht. Und nach meinem Sprachgefühl gibt es »blutárm« nicht.

Ich denke, der Unterschied bei "blutarm" liegt nicht in der Betonung, sondern daran, auf welche Silbe man mehr Wert legt. Aber Neumann hat explizit "betont" gesagt.
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Re: Rätselgedicht Nr. 4615 Gold und Demanten

Beitragvon Waldkircher » 21.08.2016 20:40

Die Bedeutung blutárm (für sehr arm) ist sicherlich selten. Ich gestehe auch offen, dass blutárm nicht zu meinem Wortschatz gehört. Vielleicht kenne ich zu wenig blutarme Menschen...
Der Duden führt aber (zumindest in der Online-Version) blutarm für "sehr arm" auch 2016 sehr wohl und gibt auch die von Engelchen "unterstellte" Betonung an. Ich zitiere aus "duden.de":

blut­arm
Wortart: Adjektiv
Gebrauch: umgangssprachlich emotional verstärkend
Wort mit gleicher Schreibung: blutarm (Adjektiv)
Häufigkeit: ▮▮▯▯▯
Rechtschreibung
Worttrennung: blut|arm
Bedeutungsübersicht
sehr arm
Aussprache
Betonung: blutạrm

Den Eintrag aus dem Grimmschen Wörterbuch hatte ich oben im Thread schon zitiert. Auch Adelung kennt das Wort:
" adj. et adv. im gemeinen Leben, sehr arm, so daß man kaum etwas mehr, als das Blut, d. i. das Leben, in seinem Vermögen hat. Ein blutarmer Mensch. Es ist eine rechtschaffene Frau, die keinen weitern Fehler hat, als daß sie blutarm ist, Gell. S. Blut, Anm. [1091-1092] "

Ich denke also, dass es nicht nur überzeugende lexikographische Belege für das Wort, sondern auch explizit für die in Frage stehende Betonung gibt.
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Re: Rätselgedicht Nr. 4615 Gold und Demanten

Beitragvon Groffin » 22.08.2016 08:59

Ist bei derlei Rätseln eigentlich definiert, dass "betont" sich auf die Silben bezieht? Es könnte ebenso die Wortbedeutung gemeint sein...
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Re: Rätselgedicht Nr. 4615 Gold und Demanten

Beitragvon Waldkircher » 22.08.2016 12:18

@Groffin: ja, das ist schon so, dass hier von Silben die Rede ist. Eine unbetonte Wort-Bedeutung wäre ja auch schwer vorstellbar.
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Re: Rätselgedicht Nr. 4615 Gold und Demanten

Beitragvon Otto » 04.04.2018 08:22

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