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Gedicht 2740 An einem langen weißen Prunkaltar

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Gedicht 2740 An einem langen weißen Prunkaltar

Beitragvon Engelchen » 01.07.2014 19:54

Nr. 2740 (Carl Trummer)

Scharade (2+2 Silben)

An einem langen weißen Prunkaltar
Knien gar andächtig seines Gottes Priester;
Es dürstet sie – nach Weihe offenbar,
Doch ist ihr Blick nicht eben ernst und düster.
Nur Scherz und Heiterkeit sind dieses Tempels Lehren,
Und Tanz und fröhlicher Gesang,
Und Paukenwirbel, Trompetenklang
Scheint hier zum Gottesdienste zu gehören.
Auch steigt das Opfer hier nicht in die Luft empor;
Was einst die frommen Priester heimlich taten,
Geschieht hier öffentlich, es teilt der Chor
Für sich und unter sich den Opferbraten.
In diesem Tempeldienste war
Von jeher das noch sonderbar,
Dass die geweihten Männer, alt und jung,
Mit lautem Lärmen durch einander sprechen,
Und scheint es Ritus fast, in der Begeisterung
Der heil'gen Weihe sich zu unterbrechen. –
Der ersten Silben Paar
Nennt diesen Festaltar.

Doch während hier es tobt und lärmt,
Und Tag und Nacht begeistert schwärmt,
Wählt sich das letzte Silbenpaar die Nacht,
Und schleicht umher erst still und sacht,
Dann tönt's, dass weit es widerhallet,
Man hält den Wandrer an, der einsam wallet,
Man achtet nicht den Mann, der dort auf Schildwacht steht,
Und gegen Freund und Feind so tolerant,
Wie bei Bekannt und Unbekannt,
An seinem Häuschen auf und niedergeht.
Den hält man fest, man schleppt ihn fort,
Man drohet ihm mit Fluch und Mord
Fort geht der Zug mit Fackeln und mit Lanzen.

Noch finstrer ist das Bild des Ganzen.
'S ist eine feierliche Reih'
Von bleichen Heldenriesen.
Ein Sitz war sonst im Saal noch frei,
Der ward einst einem Jüngling angewiesen.
Nun richtet schon seit langer Zeit
Die ernste Schar die tapfern Ritter alle,
Ihr Urteil tönet dumpf und breit
Durch die gewölbte düstre Halle.
Weh jedem feigen Menschensohn,
Der, wo die Glocke stürmt, geflohn!
Ihm hilft die Flucht und Rettung nicht,
Das Ganze hält einst über ihn Gericht.

Lösung oder Tipp: Anzeigen
Tafel + Runde = Tafelrunde

Anmerkungen
Mit der Runde ist die Runde des Nachtwächters gemeint.
Wie sind die Zeilen zu deuten, die das Ganze beschreiben?

[zzz]
Engelchen
 
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Re: Gedicht 2740 An einem langen weißen Prunkaltar

Beitragvon Engelchen » 01.07.2014 19:57

Habe dieses gelöste Rätsel ins Forum gezogen, weil ich noch ein paar zusätzliche Fragen habe.
Die Lösung zweifle ich eigentlich (noch) nicht an, sie passt ziemlich gut zum letzten Drittel des Rätsels, wobei mir auch da die ersten drei Zeilen unklar sind.

1) Was wird eigentlich im ersten Drittel des Rätsels beschrieben? Wer kniet hier vor einem langen weißen Prunkaltar? (Und welch geschickter Schachzug - die zu erratene (lange) "Tafel" entpuppt sich später als "runder Tisch").

2) Warum sollte ein (oder mehrere ?) Nachtwächter die Schildwacht bedrohen (sogar mit Fluch und Mord) ? Oder deutet das "Den" gar nicht mehr auf die Schildwacht hin, sondern auf einen "Weiteren", so eine Art Aufzählung? Und klingt die Beschreibung nicht eher, als wenn da nächtliche "Raubritter" tätig wären. Aber aus deren Tun auf "Runde" zu schließen ??? "Schleicht umher" ???

3) Der freie Platz im Saal könnte auf Parzival hindeuten, der ja erst später zum Ritter ernannt wurde. Aber da hören meine Kenntnisse über Artus, Ritter der Artusrunde, Heiliger Gral, ... etc. auch schon auf.
Engelchen
 
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Re: Gedicht 2740 An einem langen weißen Prunkaltar

Beitragvon Waldkircher » 01.07.2014 23:03

Hm. Wohl eher eine Stammtischrunde: "stammtisch, m. reservierter tisch in einem gasthaus, an dem sich zu regelmäsziger stunde bestimmte gäste einfinden, dann auch tafelrunde" heißt es dazu im Grimmschen Wörterbuch.
Kann es sein, dass der Autor sich mit beißendem Spott über die feuchtfröhlichen Rituale eines Stammtischs oder Bierzelt-Tischs lustig macht? Es dürstet sie – nach Weihe offenbar, Doch ist ihr Blick nicht eben ernst und düster/ Nur Scherz und Heiterkeit sind dieses Tempels Lehren etc. Und dann schreit noch alles durcheinander: Artus Tafelrunde habe ich mir immer anders vorgestellt.
Aber: warum knien die "Priester"?
Die zweite Strophe ließe sich doch auch als (zunehmend) alkoholisiertes Randalieren von Stammtisch-Brüdern oder Stammtisch-Helden (Helden tauchen dann ja auch in der letzten Strophe auf) verstehen.
In dieses Muster passt IMHO auch die dritte Strophe, in der ich allerdings die Zeilen: Ein Sitz war sonst im Saal noch frei,/Der ward einst einem Jüngling angewiesen. nicht deuten kann. Wenn man an Artus´Tafelrunde denken will, würden sie vielleicht auch auf Sir Galahad verweisen. Ansonsten kann ich mir unter den Zeilen: Nun richtet schon seit langer Zeit/ Die ernste Schar die tapfern Ritter alle/Ihr Urteil tönet dumpf und breit/Durch die gewölbte düstre Halle. auch sehr gut eine politisierende und schwadronierende Runde vorstellen, von der jeder sein Fett abbekommt. Auch die Erwähnung der Glocke in den letzten Versen passt hierzu. Bis heute hängen an vielen Stammtischen noch Stammtischglocken, mit denen sich allerlei Rituale verbinden.
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Re: Gedicht 2740 An einem langen weißen Prunkaltar

Beitragvon Otto » 02.07.2014 12:37

Ich kann weder der Tafelrunde noch dem Stammtisch was abgewinnen. Die Lösung "Tafelrunde" stammt aus »Lustig: Rätselkranz (1838), S. 44f., Nr. 71«, habe ich ohne viel nachzudenken übernommen.

Wenn ich mit die anderen Rätsel voin Carl Trummer so ansehe, beispielsweise 3329 oder 3056, dann ist wohl, jedes Wort in diesem Rätsel eine Verschlüsselung und schon deshalb passen die beiden Lösungsvorschläge nicht.

Im übrigen sträubt sich alles in mir, die Saufkumpane einer Stammtischrunde als "Priester" ztu bezeichnen. Am Stammtisch gibt's auch weder Und Tanz noch fröhlicher Gesang, Noch Paukenwirbel, Trompetenklang. Auch ist ein Stammtisch eher rund oder quadratisch, damit sich jeder mit jedem unterhalten kann. Prunkaltar?! Was ist der Opferbraten?

Ich werde das Rätsel im Rätselbereich auf "ungelöst" setzen.
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Re: Gedicht 2740 An einem langen weißen Prunkaltar

Beitragvon Waldkircher » 02.07.2014 14:15

Das war auch mehr eine Assoziation. Ich finde, dass der hohe Ton des Gedichtes in einem gewissen Kontrast zum Inhalt steht. So abwegig finde ich den Stammtisch aber nicht..
- Priester: Es ist halt die Frage, welcher Gott gemeint ist. Bei Bacchus oder Gambrinus passt das schon.
- Zumindest bei den Stammtischen, die ich so kenne, ist auch mit Gesang durchaus zu rechnen, bei einem Fest auch mit Musik und Tanz.
- dito “Opferbraten“ etc.
Aber vieles (Jüngling) passt eben auch gar nicht dazu und ist sehr hermetisch. Offenbar denken Sie in eine ganz andere Richtung. Bin sehr gespannt, was so zusammen getragen wird.
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