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Gedicht 1490 Ich bin der sichre Schuldbeweis –

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Gedicht 1490 Ich bin der sichre Schuldbeweis –

Beitragvon Beaker » 30.06.2014 13:36

Nr. 1490 (Wilhelm Jordan)
Worträtsel (?)

Ich bin der sichre Schuldbeweis –
Obwohl Betrug mein Amt ist,
Und fluchtlos fest in meinen Kreis
Dein Sinn hinein verdammt ist.

Der Regenbogen ist mein Sohn,
Die Welle meine Buhle,
Die Kunst mein würdevoller Thron,
Der Hofhalt meine Schule.

[xxx]

Ich werfe mal einen Lösungsvorschlag in die Runde:
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Der Augenschein (Mit Regenbogen als Lichtspektrum und Wellenoptik als Modell in Konkurrenz zur geometrischen Optik)
Alternativ: Der Anschein
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Re: Gedicht 1490 Ich bin der sichre Schuldbeweis –

Beitragvon Waldkircher » 30.06.2014 14:59

@Beaker: klingt gut. Aber wie würdest du die allerletzte Zeile deuten?
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Re: Gedicht 1490 Ich bin der sichre Schuldbeweis –

Beitragvon Beaker » 30.06.2014 16:25

@Waldkirch: Dies habe ich mir so zusammen gereimt:
Der Autor meint, in einem "Hofhalt" ist die Wahrung des Augenscheins wichtiger als eine kritisch-konstruktive Auseinandersetzung.
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Re: Gedicht 1490 Ich bin der sichre Schuldbeweis –

Beitragvon Engelchen » 30.06.2014 17:17

Wird die Lösung schlechter, wenn man noch ein ...lich dran hängt?
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Wollte immer was mit "...Täuschung" oder "... Fälschung" in die Lösung haben, wegen des Betruges, habe aber nichts passendes gefunden.
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Re: Gedicht 1490 Ich bin der sichre Schuldbeweis –

Beitragvon ascot » 08.07.2014 21:57

Man könnte das Rätsel auch so lesen, dass die erste Strophe vom
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"Auge" handelt, die zweite vom "Schein".

Eine Scharade ohne Strophe zum vereinten Wort.
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Re: Gedicht 1490 Ich bin der sichre Schuldbeweis –

Beitragvon Engelchen » 08.07.2014 23:34

Ins Unreine ...
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Mondschein? - Betrug, weil der Mond ja nicht selbst leuchtet.
Regenbogen als Sohn = Mondregenbogen
Hofhalt - Hof in anderer Deutung - Mondhof ???
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Re: Gedicht 1490 Ich bin der sichre Schuldbeweis –

Beitragvon Otto » 09.07.2014 08:54

Wie wäre es mit sowas wie "Schönheit"? (Nicht wirklich, aber ein Denkanstoß.)

Ins Unreine: Die ersten beiden zeilen beschrieben, dass man Augenzeugen nicht trauen kann. Zeile 3+4 könnten den Gesichtskreis meinen, der Sinn ist der Sehsinn. Zeile 5+6 scheint auf Licht hinzudeuten, aber wieso Buhle? Buhle: 1. um Liebe Werbende(r); 2. Geliebter/Geliebte; 3. Ehebrecher(in). Am ehesten passt 2.

Gerade kommt mir in den Sinn: "Lichtbrechung"?
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Re: Gedicht 1490 Ich bin der sichre Schuldbeweis –

Beitragvon Waldkircher » 13.07.2014 11:36

Und wenn man schlicht
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Täuschung als Lösung nimmt?
im "sichren Schuldbeweis" sehe ich Täuschung als Rechtsbegriff (auch im Kaiserreich) angesprochen = nachgewiesene Täuschung als Delikt...
"fluchtlos fest in meinen Kreis..." das 19. Jahrhundert war die goldene Zeit der Wahrnehmungspsychologie, die den alten philosophischen Verdacht, dass Erkenntnis unabhängig von subjektiver und fehlbarer Wahrnehmung nicht zu erlangen ist, auch empirisch zu untermauern begann. Noch heute sind bekanntlich viele Formen von Wahrnehmungstäuschung (wie etwa die berühmte Mondtäuschung) nicht restlos erklärt.
Dasselbe gilt für den Regenbogen, der nicht nur einzig und allein unserer Wahrnehmung geschuldet ist, sondern sich stereoskopisch immer in unendlicher Entfernung befindet und sich mit dem Beobachter stets mitzubewegen scheint (weshalb den Goldtopf, den am Ende des Regenbogens ja bekanntlich jemand vergraben hat, noch niemand gefunden hat). Der Vers mit den Wellen kann sich auf die Wellennatur des Lichts als physikalischer Grundlage optischer Täuschungen ebenso gut beziehen, wie auf die jedem Segler geläufige Tatsache, dass das Spiel der Wellen, vor allem gemeinsam mit Licht und Schatten zu Täuschungen Anlaß gibt. Natürlich ist die Kunst der Thron der (optischen) Täuschung - und zwar in der Trompe l´oeil - Malerei.. Dass schließlich der Hofhalt (eines Fürsten) als eine hervorragende Schule für Täuschung und Intrige angesehen wird, ist als Topos uralt, die Zeile kann sich aber auch sehr konkret etwa auf das auch im 21. Jahrhundert gelegentlich noch aktuelle Problem, Verschuldungen in einem Finanzhaushalt zu verschleiern, beziehen.
Kurz, ich denke, dass es guten Grund zur Annahme gibt, dass hier jemand intensiv über den Begriff Täuschung nachgedacht hat.
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