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Gedicht 1074 Mein Aug ist stiller Blume Traum

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Gedicht 1074 Mein Aug ist stiller Blume Traum

Beitragvon Engelchen » 01.06.2014 18:59

Nr. 1074 (Franz Brentano)

Worträtsel
Die Verwandelte

Mein Aug ist stiller Blume Traum
Und wenn mein Odem dich umschmeichelt,
Fühlst du nur milde Regung, kaum
Wie wenn dein Kind dich küsst und streichelt.

Ach! doch horch! – Zu berauschendem Bund
Ruft jetzt und lockt mich des Bräutigams Mund;
Wild und bacchantisch in jubelndem Tosen,
Schüttelnd von flatternder Locke die Rosen,
Schwing ich mit ihm mich auf zitterndem Grund.

Wie an den Säugling angeschmiegt,
Die Brust dich nährt, dich wonnig stillet,
O Trank, der Nektars Kraft besiegt,
Der aus der Göttin Schale quillet!

Aber, die mildiglich hegt und nährt,
Eine Medea, zum Morde sich kehrt!
Nicht in der Felsen verborgensten Ritzen
Kannst du vor feindlicher Mutter dich schützen,
Welche, wie dich, auch die Felsen verzehrt.

Sanft weich ich, freundlich geb ich nach,
Nicht starren Sinnes widerstreb ich;
Scheu flucht ich; schreckhaft, nervenschwach,
Bei irgend lautem Wort erheb ich.

Aber er kommt mir, der Tag der Schlacht,
Ha! wie der stürmende Mut mir erwacht!
Flammend das Aug, mit des Ares Gebrülle
Weit ich die schütternde Ebene fülle,
Keiner dann trotzet der zürnenden Macht.

...................

Da die Verse im Original versetzt dargestellt sind, habe ich oben den Link zum Rätsel beigefügt.

Lösungsvorschlag zur Diskussion:

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Für mich klingt es, als wenn hier im Wechsel die ruhige und die stürmische See beschrieben werden. Der lockende Bräutigam (Vers 2) ist der Wind, der Sturm, der die vormals ruhige See in Wallung bringt. ???


[zzz]
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Re: Gedicht 1074 Mein Aug ist stiller Blume Traum

Beitragvon Otto » 01.06.2014 19:31

Wie wäre es mit
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Welle/Woge?
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Re: Gedicht 1074 Mein Aug ist stiller Blume Traum

Beitragvon Waldkircher » 02.06.2014 07:10

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Scheint mir nicht wahrscheinlich. Die Bilder sind zu “äolisch“. Verse wie “mein Odem dich umschmeichelt“ und “schüttelnd von flatternder Locke die Rosen“ passen nicht zu Wasser. Eher eine Brise, die zum Orkan wird. Wer ist eigentlich der Bräutigam der Windsbraut? Da dieses Gedicht aber in der antiken Mythologie angesiedelt ist, kämen als Personifikationen Gestalten wie Oreithyia oder Aura in Frage. Aura hat immerhin eines ihrer Kinder getötet (das Rätsel erwähnt den Medea-Mythos)
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Re: Gedicht 1074 Mein Aug ist stiller Blume Traum

Beitragvon Otto » 02.06.2014 07:56

Ich denke, dass mit Medea nicht unbedingt Kindesmord gemeint ist, sondern dass Medea eher als Symbol dafür steht, dass sich ein sanftes Wesen in ein grausames wandeln kann.

Als Windsbraut wurde früher ein Wirbelwind bezeichnet. Meyers-1905: "Nach einer märkischen Sage ein Edelfräulein, das die Jagd über alles liebte und gleich dem wilden Jäger verwünscht ward, in alle Ewigkeit mit dem Sturme dahinzufahren." -- Was mich an die Wilde Jagd (http://de.wikipedia.org/wiki/Wilde_Jagd) erinnert.

Eben weil so offensichtlich äolisch schließe ich den Wind aud (der ist eher der Vater). Odem könnte z.B. Gischt sein (den allerdings nur die wilde Woge erzeugt).
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Re: Gedicht 1074 Mein Aug ist stiller Blume Traum

Beitragvon Engelchen » 02.06.2014 17:38

@ Otto - wie würden Sie zu Ihrem Lösungsvorschlag die Zeile "die mildiglich hegt und nährt" erklären?
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Re: Gedicht 1074 Mein Aug ist stiller Blume Traum

Beitragvon Otto » 03.06.2014 14:53

@Engelchen: Schwer. Und wie ist "Mein Aug ist stiller Blume Traum" zu erklären? Egal, bei welchem Lösungsvorschlag. Inzwischen neige ich eher zu
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Wind, auch wenn er "äolisch" ist.
Aber alle Zeilen erklärt das auch nicht.
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Re: Gedicht 1074 Mein Aug ist stiller Blume Traum

Beitragvon Lupiro » 03.06.2014 19:30

Wie wäre es mit Wasser?
1. Aus der Gießkanne.
2. Regen.
3. Überschwemmung, Flut
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Re: Gedicht 1074 Mein Aug ist stiller Blume Traum

Beitragvon Otto » 04.06.2014 07:37

Bisher die beste Lösung, denke ich. Der Gießkopf der Gießkanne (wie heißt das Ding eigentlich?) ist sicher jeder Blume Traum und kann als "Auge" durchgehen. Auch sonst passt alles irgendwie.
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Re: Gedicht 1074 Mein Aug ist stiller Blume Traum

Beitragvon Waldkircher » 04.06.2014 08:01

Tülle. Das, was immer verstopft. :D
Mein Aug wäre dann die Tülle der Kanne. Damit ergeben sich aber Probleme. Wenn ich den Lösungsvorschlag richtig verstehe, würde mich/ich im Verlauf des Rätsels immer auf etwas anderes referieren, weil die Giesskanne nicht bacchantisch werden kann. Und: Wer ist der Bräutigam? Welcher Trank besiegt Nektars Kraft? Auch die vorletzte Strophe ist mir nicht klar.
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Re: Gedicht 1074 Mein Aug ist stiller Blume Traum

Beitragvon Lupiro » 04.06.2014 09:30

Ich denke, man sollte "mein" nicht zu streng als besitzanzeigend ansehen, wie z.B. "meine Heimat", "mein Verein" etc. Mein Auge ist die Tülle, wo ich (das Wasser) herkomme.
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