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Rätsel 2013 Auf hohem Stängel glänzt die Rose

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Rätsel 2013 Auf hohem Stängel glänzt die Rose

Beitragvon Waldkircher » 29.05.2014 23:31

Worträtsel

Auf hohem Stängel glänzt die Rose,
Die Blumenfürstin der Natur,
Sie kennt das glücklichste der Lose,
Den heitern Lenz der Jugend nur,
Sie überlebt der Farben Licht,
Den süßen Ruhm der Schönheit nicht.

Das Licht nur kann die Schönheit malen,
Drum ringt sie los sich aus der Nacht.
Nur in der Sonne heißen Strahlen
Erschließt sich ihres Kelches Pracht.
Je schöner doch erglüht ihr Rot,
Je näher ist sie auch dem Tod.

Doch eine andre Rose blühet,
Die noch kein sterblich Auge sah,
Und eine andre Sonne glühet
Unsichtbar sichtbar fern und nah.
Die Ros' ist sie nicht irdisch, gleich,
Sie blühet doch im ird’schen Reich.

Sie wird vom Licht allein belebet,
Schnell stirbt sie ab am finstern Ort,
Drum gleich der ird'schen Schwester strebet
Nach oben sie zum Lichte fort,
Die Sonne ist ihr Mutterschoß,
Zur Sonne trägt sie einst ihr Los.

Wie sich die Blätter lieblich malen,
So gießt sich himmlisch aus ihr Duft.
Doch welkt sie nimmer von den Strahlen
Versenkt, wie jene, für die Gruft,
Je mehr sie Gluten in sich zieht,
Je schöner· auch ihr Leben blüht.

So duftet sie im ird’schen Garten,
Der ew’gen Sonne zugewandt,
Wo schon bestellte Geister warten,
Zu setzen sie in bessres Land,
Sobald die Hülle, die sie engt,
Die Blume ganz entfaltet sprengt.

Und kannst du mir die Ros' die blühet,
Und, die kein sterblich Auge sah,
Die Sonne nennen, welche glühet
Unsichtbar sichtbar fern und nah,
und ihn, der himmlisch füllt die Luft,
Der sonngetränkten Rose Duft?

Lösung oder Tipp: Anzeigen
Gemeint sind die Fensterrosen der gotischen Kathedralen, die in der Vielfalt ihrer Symbolik die Wirklichkeit transzendieren ("kein sterbliches Auge" sah sie je) und dennoch in der Architektur greifbar gegenwärtig sind. Auf dieses Nebeneinanderbestehen der Ebenen legt der Rätselautor großen Wert: "Unsichtbar sichtbar fern und nah" - Die Zeile taucht gleich zweimal auf! - und: "Die Ros' ist sie nicht irdisch, gleich,/Sie blühet doch im ird’schen Reich."- Die Hinweise, die eine transzendente Deutung einfordern, sind also allgegenwärtig und werden in der letzten Stophe als konkretes Rätsel formuliert, das aus der Tradition christlicher Symbolik heraus beantwortet werden kann: Christus ist die Sonne, deren Licht die Glasfenster durchdringt, ohne sie zu zerstören; es verwandelt sie aber und macht sie leuchten (eine Allegorie des Glaubens), die Rose/Fensterrose ist ein uraltes Mariensymbol, der Duft der Rose ist die himmliche Verheißung: "So duftet sie im ird’schen Garten, Der ew’gen Sonne zugewandt,/ Wo schon bestellte Geister warten,/Zu setzen sie in bessres Land".


[zzz]
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Re: Rätsel 2013 Auf hohem Stängel glänzt die Rose

Beitragvon Otto » 31.05.2014 17:24

Rein von der Form her: Nein. Die ersten beiden Strophen beschreiben eine normale Rose; die "andere Rose" steht für erwas anderes, ist nur metaphorisch eine Rose. Also kann das Lösungswort nicht "Rose" als Teilwort enthalten.

Abgesehen davon ist die Lösung inkonsistent. "Christus ist die Sonne, deren Licht die Glasfenster durchdringt" -- Wier kann eine transzendente Sonne ein immanentes Glasfenster beleuchten? Wenn schon, dann müsste alles konsistent umgedeutet werden: Sonne = Christus, Licht = Liebe oder Glaube, Rose = Paradies bzw. Himmel (Heaven, nicht Sky, manchmal haben es die Engländer leichter).

Aber irgendwie ist das keine Lösung, bei der ich aufspringe und sage "Ja, das muss es sein". Es passt irgendwie, ist aber nicht zwingend (siehe das andere Rätsel: Die deutsche Sprache passt irgendwie, das H ist aber zwingend).
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Re: Rätsel 2013 Auf hohem Stängel glänzt die Rose

Beitragvon Waldkircher » 31.05.2014 23:55

Ihren Einwand, Otto, kann ich absolut nachvollziehen; wobei ich die Rose hier gar nicht metaphorisch, sondern eher allegorisch gesetzt sehe, und zwar sowohl die erste als Allegorie der Vergänglichkeit als auch die zweite als Allegorie des Gegenteils. Für mich beruht genau darauf der Reiz des Rätsels: Hier eine Blume, dort ein (vorausgesetzt die Lösung stimmt) rundes Steinfenster, Glas und Licht, mehr nicht. Der Rest ist Zuweisung von Bedeutung. Genau darin liegt zugegebenermaßen auch die Krux einer solchen Lesart, die auf der Suggestivität klassisch-biblischer Exegese beruht, die wie eine gutgeölte Maschine abläuft. Da passt dann plötzlich alles. In diesem Fall schienen - und scheinen - mir "Unsichtbar sichtbar fern und nah" zwar deutliche Hinweise vorzuliegen, die das rechtfertigen, das war aber bei der "Deutschen Sprache" nicht anders, bis Engelchen die perfekte Lösung fand. Sie haben also vermutlich recht mit Ihrer Skepsis und ich bin sehr gespannt, was da noch gefunden wird.
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