Home | Raetsel | Gedichte | Schach | Retros | Wienerisch | Blog | Events

Gedicht 1035 Bin eine Jungfrau hold und fein

Wollen Sie über eines unserer Rätsel oder Spiele diskutieren? Suchen Sie eine Lösung zu einem Rätsel, das Ihnen irgendwo sonst untergekommen ist? Dann sind Sie hier richtig!

Moderatoren: Angela, Otto

Gedicht 1035 Bin eine Jungfrau hold und fein

Beitragvon Waldkircher » 06.05.2014 21:34

Guten Abend,
zunächst möchte ich um Nachsicht bitten, wenn ich den Lösungsvorschlag zu einem der "Gedichträtsel" (1035) in der falschen Ecke posten sollte.
Das Rätsel lautet wie folgt

Homonym

Bin eine Jungfrau hold und fein,
Und hab nach alten Sagen
Den höchsten Gott als Kindelein
In meinem Schoß getragen.
Doch täusche dich nicht der Bericht;
Die Mutter Gottes bin ich nicht.

Ich denke, gemeint ist Gaia (Gäa), in der griechischen Mythologie, den "alten Sagen", die personifizierte Erde (Homonym: Erde - 1. Welt 2. Göttin. Der Theogonie zufolge bringt Gaia ohne Befruchtung (jungfräulich) Uranos, Ourea und Pontos hervor, weitere Kinder bekommt sie dann mit Uranos. Kronos, der Uranos entmannte und somit entmachtete, fürchtet dasselbe Schicksal und verschlingt seither seine Nachkommen, die er mit seiner Gattin Rhea zeugt. Als die nun mit Zeus (dem "höchsten Gott") schwanger ist, gibt sie ihn in die Obhut Gaias, die ihn auf Kreta versteckt waehrend Rhea Kronos einen in Windeln gewickelten Stein zu fressen gibt. Gaia hat also den höchsten Gott als Kind in ihrem Schoß getragen, ist aber nicht die Muttergottes (Maria).

Ich schlage als Lösung also Erde vor.

Waldkircher
[zzz]
Waldkircher
 
Beiträge: 312
Registriert: 06.05.2014 21:08
Wohnort: Waldkirch

Re: Lösungsvorschlag Gedichträtsel (1035)

Beitragvon Otto » 07.05.2014 15:22

Klingt gut. "Die Mutter Gottes bin ich nicht" interpretiere ich jedoch anders: Gaia ist nicht die Mutter von Zeus, den sie im (auf dem?) Schoß getragen hat. Maria ist ja nicht die Mutter Gottes, sondern die von dessen Sohn. "Muttergottes" ist ein bisschen salopp formuliert. Immerhin glauben die Christen, dass es nur einen Gott gibt und da ist kein Platz für einen zweiten.
Otto
Site Admin
 
Beiträge: 1799
Registriert: 07.08.2004 14:17
Wohnort: Wien

Re: Lösungsvorschlag Gedichträtsel (1035)

Beitragvon Otto » 07.05.2014 15:24

Nachtrag: Siehe auch viewtopic.php?f=2&t=1675
Otto
Site Admin
 
Beiträge: 1799
Registriert: 07.08.2004 14:17
Wohnort: Wien

Re: Lösungsvorschlag Gedichträtsel (1035)

Beitragvon Waldkircher » 07.05.2014 16:08

Otto hat geschrieben:Klingt gut. "Die Mutter Gottes bin ich nicht" interpretiere ich jedoch anders: Gaia ist nicht die Mutter von Zeus, den sie im (auf dem?) Schoß getragen hat. Maria ist ja nicht die Mutter Gottes, sondern die von dessen Sohn. "Muttergottes" ist ein bisschen salopp formuliert. Immerhin glauben die Christen, dass es nur einen Gott gibt und da ist kein Platz für einen zweiten.


Das mit der Mutter Gottes ist zweifelos richtig. Ich glaube, dass das Rätsel absichtlich mit Begriffen operiert, die in der christlichen Sphäre angesiedelt sind: Jungfrau, Kindelein, Mutter Gottes, um die entsprechende Vorstellungswelt heraufzurufen. Dadurch wird es schwerer, den antiken Kontext aufzurufen.
Waldkircher
 
Beiträge: 312
Registriert: 06.05.2014 21:08
Wohnort: Waldkirch

Re: Gedicht 1035 Bin eine Jungfrau hold und fein

Beitragvon Waldkircher » 18.05.2014 17:30

Was spricht denn gegen Gaia und die Homonym-Lösung Erde/Erde (Welt/Göttin). Das scheint mir doch recht eindeutig zu sein.Oder nicht?
Waldkircher
 
Beiträge: 312
Registriert: 06.05.2014 21:08
Wohnort: Waldkirch

Re: Gedicht 1035 Bin eine Jungfrau hold und fein

Beitragvon Otto » 18.05.2014 18:32

"(Homonym: Erde - 1. Welt 2. Göttin)" -- Die Bedeutungen des Homonyms müssen im Rätsel verschlüsselt sein und das sehe ich hier nicht. Gäa wäre evtl. die Lösung eines Worträtsels.
Otto
Site Admin
 
Beiträge: 1799
Registriert: 07.08.2004 14:17
Wohnort: Wien

Re: Gedicht 1035 Bin eine Jungfrau hold und fein

Beitragvon Waldkircher » 18.05.2014 21:05

Otto hat geschrieben:"(Homonym: Erde - 1. Welt 2. Göttin)" -- Die Bedeutungen des Homonyms müssen im Rätsel verschlüsselt sein und das sehe ich hier nicht.

Otto, ich lese die Verschlüsselung der Homonym-Bedeutungen im Gedicht so:
1. Bin eine Jungfrau hold etc. (= die Göttin Erde = Gaia)
2. in meinem Schoß getragen (=in der Erde versteckt), nämlich dem Mythos nach in der Höhle von Psychro im Dikti-Gebirge auf Kreta.
Oder sehe ich etwas nicht?
Waldkircher
 
Beiträge: 312
Registriert: 06.05.2014 21:08
Wohnort: Waldkirch

Re: Gedicht 1035 Bin eine Jungfrau hold und fein

Beitragvon Otto » 18.05.2014 22:18

Ja. Genau das ist die Lösung eines Worträtsels. Zum Vergleich:

Bank: 1. Geldinstitut; 2. Sitzgelegeheit; 3. Tippkolonne beim Wetten.

Gaia: 1. Erde; 2. Erde (die fett gedruckten Wörter in Ihrem Text). Es ist genau die gleiche Erde gemeint; Gaia ist die Personifikation der Erde. Was anderes wäre es, wenn mit Erde 1. die Weltkugel und 2. die Ackerkrume gemeint wäre.

Noch ein Vergleich: Würden Sie "Daimler" (als Herr Daimler und als Unternehmen Daimler) als Homonym bezeichnen?

Vielleicht irre ich mich ja auch, aber irgendwie ist mir hier unwohl.
Otto
Site Admin
 
Beiträge: 1799
Registriert: 07.08.2004 14:17
Wohnort: Wien

Re: Gedicht 1035 Bin eine Jungfrau hold und fein

Beitragvon Waldkircher » 19.05.2014 16:45

In der Tat denke ich, dass hier Homonymie (bzw. Polysemie) vorliegt. "Erde" meint hier einmal die personifizierte Erde als (Ur-)gottheit, zum anderen eben den Ausschnitt des konkreten physischen Erdreichs/ Felsens, in dem Zeus von Gaia versteckt wurde (der "Schoss"). Für mich ist das nicht dasselbe. Natürlich würde die personifizierte Erde in einem gewissen Sinn auch die zweite Bedeutung mit umfassen, was aber sozusagen an der Semantik von Gaia - immer vorausgesetzt, die Lösung stimmt -liegt.
Das alles ungeachtet der umfangreichen und bis heute anhaltenden Diskussion, was denn Polysemie bzw. Homonymie genau sind. Zu Ihrer Frage: Die div. Daimlers wären für mich Homonyme, da Sie auf klar abgrenzbare verschiedene Objekte referieren. 1. Gottlieb Daimler 2. ein Auto 3. das Unternehmen.
Ich würde daraus aber keine akademische Diskussion machen. Eines der vielen Dinge, die an einem Rätsel begeistern, ist für mich die Tatsache, dass manche Lösungen unmittelbar einleuchten. Wenn jemandem, der sich soviel mit Rätseln beschäftigt hat wie Sie, hier unwohl ist, dann ist die Lösung "Erde" vielleicht einfach nicht die richtige. Ich bin also weiter gespannt.
Waldkircher
 
Beiträge: 312
Registriert: 06.05.2014 21:08
Wohnort: Waldkirch

Re: Gedicht 1035 Bin eine Jungfrau hold und fein

Beitragvon Otto » 19.05.2014 17:24

Aus der Homonymie/Polysemie-Diskussion halte ich mich raus, ist im Zusammenhang mit Rätseln auch nicht wichtig. Eine Unterscheidung würde dem Löser nicht helfen. Mal abgesehen davo0n, dass ich wohl nicht in der lage wäre, die Rätsel richtig einzuordnen.

Mein Problem ist halt, dass ich zum einen ein ungutes Gefühl habe, zum anderen aber keine bessere Lösung anbieten kann. Auf der anderen Seite sind die Rhein- und Tränen-Lösungen sofort überzeugend.
Otto
Site Admin
 
Beiträge: 1799
Registriert: 07.08.2004 14:17
Wohnort: Wien

Nächste

Zurück zu Rätsel und Spiele

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Yahoo [Bot] und 2 Gäste