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Was ist verwünscht (Rätselgedicht 966)

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Was ist verwünscht (Rätselgedicht 966)

Beitragvon Sansibar » 26.11.2012 02:20

Mephistopheles zum Kaiser:
Was ist verwünscht und stets willkommen?
Was ist ersehnt und stets verjagt?
Was immerfort in Schutz genommen?
Was hart gescholten und verklagt?
Wen darfst du nicht herbeiberufen?
Wen höret jeder gern genannt?
Was naht sich deines Thrones Stufen?
Was hat sich selbst hinweggebannt?

Die angegebene Lösung war: Der Narr bzw. der Schalksnarr
Zur dabei stehenden Anmerkung 'Warum darf der Kaiser den Narren nicht herbeiberufen?!' fällt mir folgendes ein:

Herrscher haben/hatten oft Ratgeber. Ein Narr taugt nicht zum Ratgeber und sollte dafür auch nicht herbeiberufen werden.

Macht das Sinn?
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Re: Was ist verwünscht (Rätselgedicht 966)

Beitragvon Otto » 27.11.2012 19:18

Andererseits wied die "Weisheit des Narren" in der Literatur ja oft gewürdigt. "Die Weisheit des Narren" liefert in Google über 30.000 Treffer. Irgendwie glaube ich nicht, dass Goethe das gemeint hat.
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Re: Was ist verwünscht (Rätselgedicht 966)

Beitragvon Symbo » 23.09.2013 11:44

Faust 2:
Der Kaiser: "[...] Allein wo ist der Narr geblieben?"
Erster Junker: "[...] Tot oder trunken, weiß man nicht."
Zweiter Junker: "Sogleich mit wunderbarer Schnelle / Drängt sich ein andrer an die Stelle. [...] Da ist er doch, der kühne Tor!"
Mephistopheles als der neue Narr stellt das Rätsel dem Kaiser.
Wenn also der Kaiser den Narren herbeiberuft, ruft er somit den Teufel herbei, was er vielleicht besser nicht tun sollte.
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Re: Was ist verwünscht (Rätselgedicht 966)

Beitragvon the riddler » 18.02.2015 17:56

es ist der teufel!
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Re: Was ist verwünscht (Rätselgedicht 966)

Beitragvon Otto » 23.02.2015 18:31

Mephistopheles ist doch der Teufel. Und: Wieso ist dieser stets willkommen? Abgesehen davon ist die Lösung (der Narr) ja bekannt. Die Frage ist, waum der Kaiser den Narren nicht herbeirufen darf.
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Re: Was ist verwünscht (Rätselgedicht 966)

Beitragvon Beaker » 24.02.2015 00:33

Was mir noch einfällt:

Am Besten noch: Der Bote oder der Verräter / Spion.
Weitere: Der Soldat, das Alter, der Arzt, der Thronfolger, der Advokat.
Gerade gesehen: advocatus heißt übersetzt ‚der Herbeigerufene‘

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Re: Was ist verwünscht (Rätselgedicht 966)

Beitragvon Beaker » 24.02.2015 00:49

Ist die Lösung "Narr" sicher?

Um das mit dem nicht herbeirufen zu erklären, könnte man den Narren als "Advocatus Diaboli" sehen, der immer die unbequeme Gegenmeinung vertritt.
Und Advocatus heißt ja der Herbeigerufene wie ich gerade gelernt habe. Somit wäre dieser der herbeigerufene Teufel.

Zugegeben, etwas konstruiert.

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Re: Was ist verwünscht (Rätselgedicht 966)

Beitragvon Otto » 24.02.2015 09:45

"Ist die Lösung "Narr" sicher?" -- ja. Da sgeht auch aus dem Kontext bei "Faust II" hervor.

"... den Narren als »Advocatus Diaboli« sehen, der immer die unbequeme Gegenmeinung vertritt." -- Der Advocatus Diaboli ist keinn Gegner, sondern ein Freund, der gegen seine eigene Überzeugung die Gegenmeinung vertritt. Meist in einer Art Rollenspiel, das man vor dem eigentlichen Ereignis (Besprechung, Verhandlung, etc.) durchführt, um sich darauf vorzubereiten. Die Amis sagen "dry run" dazu.
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Re: Was ist verwünscht (Rätselgedicht 966)

Beitragvon Waldkircher » 24.02.2015 11:44

@Otto - Narr kann schon deshalb nicht die Lösung sein, weil im Kontext der Verse Mephistopheles vom Kaiser eingeladen wird, die Stelle seines verschwundenen Narren einzunehmen: "Mein alter Narr ging, fürcht ich, weit ins Weite/ Nimm seinen Platz und komm am meine Seite“. Narr als Lösung des Rätsels wäre also genauso offensichtlich wie der Teufel, zumal der Kaiser sich Rätsel ausdrücklich verbeten hat : “ Hier sind die Rätsel nicht am Orte.“. Das ergibt nur dann Sinn, wenn es sich um ein Rätsel handelt, das der Kaiser nicht lösen kann, weil ihm nämlich der Geist fehlt, den er trotz seiner Macht nicht einfach herbeirufen kann, wie Mephisto nicht ohne Selbstgefälligkeit feststellt. Der Geist muss in Gestalt des Narren erscheinen, weil er nur so die Wahrheit sagen kann, ohne Sanktionen zu fürchten. Mit dem Weggang des alten Narren hat sich der Geist “selbst hinweg gebannt“, um sich in Gestalt von Mephisto dem Thron zu nahen. Nur auf den Geist passen die ambivalenten Beschreibungen des Rätsels, weshalb ich diesen Begriff für die Lösung halte.
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Re: Was ist verwünscht (Rätselgedicht 966)

Beitragvon Otto » 07.03.2015 14:17

Nun, es ist ja nicht wirkllich als Rätsel gedacht, man kann es nur als solches sehen. Abgesehen davon ist "Hier sind die Rätsel nicht am Orte" kein Argument, es sei denn, wir negieren, dass der Text ein Rätsel ist. Dann hat dieses Nicht-Rätsel auch keine Lösung bzw. eine offensichtliche.
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