Home | Raetsel | Gedichte | Schach | Retros | Wienerisch | Blog | Events

Nicht meine erste nenn ich Mutter mir (798)

Wollen Sie über eines unserer Rätsel oder Spiele diskutieren? Suchen Sie eine Lösung zu einem Rätsel, das Ihnen irgendwo sonst untergekommen ist? Dann sind Sie hier richtig!

Moderatoren: Angela, Otto

Nicht meine erste nenn ich Mutter mir (798)

Beitragvon ascot » 23.08.2012 20:47

Scharade (1+2 Silben)

Nicht meine erste nenn ich Mutter mir,
Die Wölfin, Bild ruchloser Raubbegier,
Die, immer Gräul noch häufend und Verbrechen
Ward Richterin, das Urteil ihm zu sprechen.
Grimm liegt die Pratze auf dem hehren Buch,
Dem Weisen selbst zu heilgen Frevels Fluch.

Auch, was die letzten, sieht mir wenig gleich.
Es wurzelt heimisch in der Erde Reich.
An ihrer Schönheit Brust ruht's lustberauschet.
Indes mein Ohr auf zu den Sternen lauschet.
Der Höhe Geister grüßen flüsternd mich;
Und mich ergreift's, fremd bin im Tal auch ich.
Selbst wenn ich huldige der Frauen Schöne,
Leih ich der Wonne heilgen Psalters Töne,
Und jedes Blümlein an des Pilgers Pfade
Blinkt mir verklärt im Morgentau der Gnade.

(Franz Brentano)

Siehe auch Siehe auch http://www.janko.at/Raetsel/Verse/0798.htm

[zzz]
ascot
 
Beiträge: 285
Registriert: 23.05.2012 23:28
Wohnort: Wien

Re: Nicht meine erste nenn ich Mutter mir (798)

Beitragvon ascot » 23.08.2012 20:52

Das Rätsel sollte doch zu knacken sein.
Ich dachte immer, die Mutter sei die Wölfin. Aber die Wölfin ist anscheinend nur Richterin. Und das Opfer? Ich vermute:
Lösung oder Tipp: Anzeigen
Schaf, Lamm, Geiß? Schafgarbe könnte die Lösung sein.

Noch ein Gedanke: Ob wohl das Adjektiv "grimm" aufs Grimms Märchen hinweisen soll?
ascot
 
Beiträge: 285
Registriert: 23.05.2012 23:28
Wohnort: Wien

Re: Nicht meine erste nenn ich Mutter mir (798)

Beitragvon Engelchen » 28.08.2012 17:10

Hallo ascot!
Für Dich ist das Rätsel fast geknackt und ich kann mal wieder gar nichts erkennen.
Nach Deiner Theorie beschreibt ja Brentano Tiere nicht mit Tieren oder Pflanzen nicht mit Pflanzen, sondern sucht darin jeweils das Ähnliche. Deswegen und auch wegen der ersten Zeile suche ich eine "Mutter", die aber furchtbar in ihrem Wesen ist - Mythologie ? irgendeine Göttin ?
Die sich als Richterin aufspielt ? Wie Isegrim in der Fabel ?
Wie kommst Du auf ein "zahmes" Tier ?

Warum oder was vergleicht Brentano mit einer Mutter? Was meint er auch im zweiten Vers mit - "sieht mir wenig gleich" ? Meint er hier schon das Gesamtwort ? Wenn Brentano die letzten Silben mit einer Pflanze beschreibt, dann bedeutet für mich - sieht mir wenig gleich - dass das Gesamtlösungswort keine Pflanze ist.

Also ich stehe noch ziemlich auf dem Schlauch.
Gruß Engelchen
Engelchen
 
Beiträge: 1568
Registriert: 26.07.2011 22:46

Re: Nicht meine erste nenn ich Mutter mir (798)

Beitragvon ascot » 28.08.2012 18:44

@Engelchen:
Lösung oder Tipp: Anzeigen
Nicht meine erste (SCHAF) nenn ich Mutter mir (der Schafgarbe) (weil das Schaf der Schafgarbe nicht ähnlich sieht),
Die Wölfin ward Richterin, das Urteil ihm (dem Schaf) zu sprechen. (z.B. in der Fabel vom Wolf und dem Lamm, das ihm angeblich das Wasser trübt, obwohl es stromabwärts steht)

Auch, was die letzten (GARBE), sieht mir (der Schafgarbe) wenig gleich.
Es wurzelt heimisch in der Erde Reich (Getreide).

Man denke dabei an eine Getreidegarbe (geerntete, zusammengebundene Halme, die am Feld stehen).

Der letzte Teil des Gedichts passt nicht so gut zur Schafgarbe, ich hatte auch eine neue Idee, bei der der letzte Teil sehr gut passt, dafür der Anfang vielleicht weniger:

ROM-ANTIK (Wölfin als Ziehmutter des Gründers von Rom)
ascot
 
Beiträge: 285
Registriert: 23.05.2012 23:28
Wohnort: Wien

Re: Nicht meine erste nenn ich Mutter mir (798)

Beitragvon Engelchen » 28.08.2012 20:57

Hallo ascot!

Bei Romulus und Remus war ich auch schon, hab's aber wieder verworfen.

Und danke für Deine Interpretation, die ich mir aufgrund Deines Lösungsvorschlages auch schon mal so "eingeredet" habe, aber ...

1)
Brentano hätte die erste Zeile als Satz abschließen müssen. So klingt mir "die Wölfin" als Charakterisierung der "Mutter" ?
2)
Auch, was die letzten, sieht mir wenig gleich.
Es wurzelt heimisch in der Erde Reich.

o.k., aber dann ...
An ihrer Schönheit Brust ruht's lustberauschet.
Da bin ich schon wieder bei etwas was sich rankt, anschmiegt. - Weinreben?
Irgendetwas mit Luftwurzeln ... ?
"..... Bei manchen Pflanzen, z. B. dem Efeu, versehen L. den Dienst von Haftorganen (Klammerwurzeln). Die auf Baumstämmen wachsenden tropischen Orchideen .... umschlingen mit ihren L. die Äste und befestigen sich an deren Rinde. .... "

Indes mein Ohr auf zu den Sternen lauschet.
???
Der Höhe Geister grüßen flüsternd mich;
???
Und mich ergreift's, fremd bin im Tal auch ich.
???
Selbst wenn ich huldige der Frauen Schöne,
Leih ich der Wonne heilgen Psalters Töne,

Psalter - Textbuch, Buch der Psalmen; aber Psalter (Psalterium, Streichpsalter) ist auch ein Musikinstrument, was u.a. auch mit Federkielen geschlagen wird. Und zwischen Luftwurzeln und Federkielen kann man einen Zusammenhang konstruieren.

"DWB Federkiel feste Mittelachse einer Vogelfeder  
a als Schreibfeder, metonym  .... 
b als Vergleichsobjekt bei der Pflanzenbeschreibung  Luftwurzeln .. in der Stärke eines schwachen F-s "


Quellen:
http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNet ... id=JF00891
http://www.kruenitz1.uni-trier.de//xxx/p/kp08144.htm

Bis hierhin beschreibt Brentano die letzten beiden Silben des Lösungswortes und eigentlich müßte auch hier hinter Töne ein Punkt. Denn wenn ich es richtig verstehe, beziehen sich die zwei letzten Zeilen auf das Gesamtlösungswort. ?

Und jedes Blümlein an des Pilgers Pfade
Blinkt mir verklärt im Morgentau der Gnade.

(Und diese Zeilen würden dann wieder auf Deine Lösung passen, weil man ... beinahe überall findet.)


Mag sein, dass ich hier zu weit ausgeholt habe, aber auch Deine beiden letzten Silben kann ich nicht mit dem Mittelteil des zweiten Verses in Einklang bringen. ?

LG Engelchen
Engelchen
 
Beiträge: 1568
Registriert: 26.07.2011 22:46

Re: Nicht meine erste nenn ich Mutter mir (798)

Beitragvon Engelchen » 28.08.2012 23:46

Außer der Reihe - für ascot: :wink:
Lösung oder Tipp: Anzeigen
Charade

Die erste Sylb' enthält ein fromm geduldig Thier;
die beyden andern sind des Sommerfeldes Zier,
der Scheune Schmuck, des Hauses Segen;
als frommes Blümchen winkt mein Ganzes Dir entgegen.
Engelchen
 
Beiträge: 1568
Registriert: 26.07.2011 22:46

Re: Nicht meine erste nenn ich Mutter mir (798)

Beitragvon ascot » 29.08.2012 12:08

ascot hat geschrieben:
Nicht meine erste nenn ich Mutter mir,
Die Wölfin, Bild ruchloser Raubbegier,
Die, immer Gräul noch häufend und Verbrechen
Ward Richterin, das Urteil ihm zu sprechen.
Grimm liegt die Pratze auf dem hehren Buch,
Dem Weisen selbst zu heilgen Frevels Fluch.


Auch ungeklärt: Wer ist "ihm"?
Wenn es "meine erste" (Silbe) wäre, müsste "ihr" da stehen.
Gerade, da ich das schreibe, leuchtet es mir ein: das "Verbrechen" ist "ihm". Sie spricht das Urteil dem (eigenen?) Verbrechen.
Das bedeutet wohl, dass das Schaf ausscheidet und die erste Silbe sich auf die Wölfin bezieht.

Das Ende des Gedichts passt auf eine Äolsharfe.
ascot
 
Beiträge: 285
Registriert: 23.05.2012 23:28
Wohnort: Wien

Re: Nicht meine erste nenn ich Mutter mir (798)

Beitragvon Lupiro » 29.08.2012 13:21

@ Engelchen: Zu den rankenden Pflanzen zählt auch der Hopfen (Humulus lupulus)
Lupiro
 
Beiträge: 478
Registriert: 19.02.2006 22:24
Wohnort: Holzwickede


Zurück zu Rätsel und Spiele

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Exabot [Bot] und 2 Gäste