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Im ersten Lenz entsprossen (368) ►gelöst◄

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Im ersten Lenz entsprossen (368) ►gelöst◄

Beitragvon Lupiro » 25.01.2012 22:04

Die Lösung dieses Versrätsels könnte die Nelke sein. Sie war und ist auch noch ein Symbol für die Freiheit. Adlige, die während der französischen Revolution zum Schafott geführt wurden, trugen eine rote Rose am Revers. Die Gewürznelke ist häufig im Klosterschnapps zu finden. Der wissenschaftliche Name Dianthus (Götterblume) erinnert an Diamant.
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Re: Im ersten Lenz entsprossen (368)

Beitragvon Otto » 26.01.2012 20:33

Hier der Link zum Rätsel: http://www.janko.at/Raetsel/Verse/0368.htm

Gemeint ist wohl die rote Nelke (nicht Rose). Aber laut Wikipedia ist diese keine Zeichen der Freiheit: In der Zeit der französischen Revolution (1789-1799) bestiegen Adlige das Schafott zu ihrer Hinrichtung oft mit einer roten Nelke im Knopfloch als Zeichen ihrer Unerschrockenheit.

> Den Mönchs- und Nonnenklöstern bin ich Feind,
> Nur halb und halb den Kapuzinern Freund.

Was bedeuten diese Verse?

Eine Alternative wäre "Lilie", aber da verstehe ich die Klosterverse (und andere) auch nicht. Die Lilie war jedenfalls in Frankreich früher das Zeichen, mit dem Verbrecher gebrandmarkt wurden, damit waren sie dann meist vogelfrei. (War nicht MyLady, die Frau von Athos, mit einer Lilie gezeichnet? Muss wohl wieder einmal Dumas lesen.) Glaube eigentlich nicht an diese Lösung.
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Re: Im ersten Lenz entsprossen (368)

Beitragvon Al Cologne » 28.01.2012 23:12

Ich möchte gerne noch eine andere Blume ins Spiel bringen: die Kornblume bzw. die blaue Blume der Romantik.
Der Post ist am Ende dann doch ziemlich lang geworden, dafrü möchte ich mich schon einmal entschuldigen

Die Kornblume (blaue Blume der Romantik)
1. Argument: sie ist schlank und blüht vom Frühling bis Anfang Herbst laut Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Kornblume

2. Die blaue Blume der Romantik steht unter anderem für das Streben nach dem Unendlichen und laut Wiki später auch für den Wunsch nach "dem fernen Fremden"; zusätzlich ist die blaue Blume auch ein Zeichen der Aufklärung, somit der Befreiung des Menschen aus Handlungs- und vor allem Denkzwängen und die Selbsterkenntnis; gleichzeitig steht sie später auch für Sehnsucht, Hoffnung und Treue

3. In Novalis' Text „Heinrich von Ofterdingen“, der als Ursprung der metaphorischen "blauen Blume" gilt, findet sich folgende Beschreibung: "Dunkelblaue Felsen mit bunten Adern erhoben sich in einiger Entfernung; das Tageslicht [,] das ihn umgab, war heller und milder als das gewöhnliche, der Himmel war schwarzblau und völlig rein. Was ihn aber mit voller Macht anzog, war eine hohe lichtblaue Blume, die zunächst an der Quelle stand, und ihn mit ihren breiten, glänzenden Blättern berührte. Rund um sie her standen unzählige Blumen von allen Farben, und der köstlichste Geruch erfüllte die Luft. Er sah nichts als die blaue Blume, und betrachtete sie lange mit unnennbarer Zärtlichkeit. Endlich wollte er sich ihr nähern, als sie auf einmal sich zu bewegen und zu verändern anfing; die Blätter wurden glänzender und schmiegten sich an den wachsenden Stengel, die Blume neigte sich nach ihm zu, und die Blüthenblätter zeigten einen blauen ausgebreiteten Kragen, in welchem ein zartes Gesicht schwebte.", was meiner Meinung nach sehr gut zu der Sache mit Duft und Tau (nah an der Quelle) passt.

4. Mönchs- und Nonnenkloster: a) zum einen könnte man behaupten, dass Mönchs- und Nonnenkloster nichts mit Freiheit, Sehnsucht, Romantik etc. anfangen können, Kapuziner als Asketen auch nicht. Allerdings geht es ja um Feindschaft. b) Die Kornblume war lange Zeit ein "gefürchtetes Ackerunkraut" (Wiki), also Feind derjenigen, die die Äcker bearbeiteten oder von den Ackererträgen der Lehen profitierten, also die Klöster. c) Drittens war die Kornblume auch das Symbol der deutschnationalen, antisemitischen und auch antiklerikalen Schönerer-Bewegung in Österreich; Schönerer bekämpfte den Katholizismus und war Teil der Los-von-Rom-Bewegung, somit ein klarer Feind der Klöster http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_von_Sch%C3%B6nerer

5. Warum nur halb ein Freund der Kapuziner? Die Kapuziner zeichneten sich einerseits durch Askese aus, andererseits im Mittelalter aber auch durch ihre soziale Arbeit mit den Armen und vor allen den Kranken. Das umfasster auch die Behandlung der Pestkranken (http://de.wikipedia.org/wiki/Kapuziner), und die Kornblume galt im Mittelalter als Heilpflanze gegen die Pest, so sagen es zumindest Heilkräuter-Websites wie diese http://www.heilkraeuter.de/lexikon/kornblume.htm (ob das so stimmt, kann ich nicht sagen). Wenn es stimmt, dann wäre die Kronblume durchaus den Kapuzinern "halb und halb Freund", entweder "nur" halb Feind wie den anderen Klöstern oder vielleicht sogar halb und halb im Sinne einer zerschnittenen/gebrochenen Heilpflanze.

6. Die Sache mit dem harten Los, gefesselt, junges Herz in Leid etc. Nach Wiki erfuhr die Kornblume ab Anfang des 19. Jh. einen Bedeutungswandel im Zuge des frühen Todes der preußischen Königin Luise. Diese hatte für ihre Söhne auf der Flucht vor Napoleon Kränze aus Kornblumen geflochten (gefesselt) (http://www.welt.de/kultur/article578341 ... rehrt.html), daher machte Wilhelm der I. die Blume zur preußischen Blume, seine Mutter wurde mythologisiert als Symbol für Opferbereitschaft und Leiden, wozu ihrer früher Tod natürlich auch beigetragen hat. Da die Kornblume dann auch für Treue steht, kann man das "Freiheit schenkt" auch als aufgeben eines Treueversprechens lesen, das mit einer Kornblume besiegelt wurde, siehe auch das Gedicht von Geibel http://www.poesie-liebesgedichte.de/gei ... -kranz.htm

7. Zum Schlüsse/den schönsten Stein der größte Juwelier etc...: das erschließt sich mir noch nicht ganz. Möglich wäre
a) ein Bezug zu Lapislazuli, der früher auch Kornblumenstein genannt wurde (http://books.google.de/books?id=HZREAAA ... in&f=false). Er kommt auch bei Novalis vor, wie oben in der zitierten Passage zu lesen ist "Dunkelblaue Felsen mit bunten Adern", und im Lapislazuli sind andere Mineralien eingeschlossen (z.B. Pyrit). Allerdings geht es ja um die Kornblume, nicht den Stein...
b) In der Szene mit der Blume schreibt Novalis: "und die Blüthenblätter zeigten einen blauen ausgebreiteten Kragen, in welchem ein zartes Gesicht schwebte." Dieses Gesicht, so erfährt man später ist das der Mathilde, der großen Liebe des Erzählers. Insofern könnte man behaupten, dass die Kornblume Mathilde in sich (ein)fasst. Stein und Juwelier kann ich dann aber nur noch so zurechtbiegen, dass die geliebte Person der schönste Edelstein ist (vorher schreibt Novalis: "Nicht die Schätze sind es, die ein so unaussprechliches Verlangen in mir geweckt haben, sagte er zu sich selbst; fern ab liegt mir alle Habsucht: aber die blaue Blume sehn' ich mich zu erblicken.") und die Natur oder Gott der größte Juwelier...

Wenn ihr jetzt noch nicht eingeschlafen seid, dann würde ich mich über Kommentare sehr freuen. Vielleicht ist das auch nur meine übersprudelnde Fantasie :)

Grüße
Al
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Re: Im ersten Lenz entsprossen (368)

Beitragvon Otto » 30.01.2012 12:41

Hallo Al,

Erst einmal herzlich willkommen in diesem Forum!

Mit "der größte Juwelier" kann eigentlich nur Gott (der Schöpfer) gemeint sein. Warum wollen wir eigentlich eine bestimmte Blume als Lösung? Kann die Lösung nicht einfach "Blume" sein? Da könnte die Erklärung mit den Klöstern und den Kapuzinern sowie der anderen Verse vielleicht leichter fallen, weil ja unterschiedliche Blumen gemeint sein könnten.

Der Freiheit Zeichen: Kornblume?
Es fasst in mir den schönsten Stein der größte Juwelier: Sonnenblume?
Von schönen Händen gefesselt: Blumenkranz?
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Re: Im ersten Lenz entsprossen (368)

Beitragvon ascot » 16.07.2012 20:48

Die Pflanze

Im ersten Lenz entsprossen,
Aus kleiner Wurzel schlank hervorgeschossen,
Von Duft und Tau begossen,
Entflieh ich, wenn der Sommer sich geschlossen.
Den Mönchs- und Nonnenklöstern bin ich Feind,
Nur halb und halb den Kapuzinern Freund.

Vormals der Freiheit Zeichen,
Wird jetzt mir oft ein hartes Los zu eigen,
Denn ach! von schönen Händen
Gefesselt, seh ich meine Freiheit enden.
Und wenn mir eine je die Freiheit schenkt,
So ist in Leid ihr junges Herz versenkt.

Zum Schlusse nur noch eins: es fasst in mir
Den schönsten Stein der größte Juwelier.

(Franz Brentano)

Edit: "Schlusse", nicht "Schlüsse"
Zuletzt geändert von ascot am 16.07.2012 20:58, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Im ersten Lenz entsprossen (368)

Beitragvon ascot » 16.07.2012 20:52

Die letzten zwei Zeilen deute ich so:
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Der größte Juwelier ist Gott, der schönste Stein ist das Auge.

Passend zum Blumenthema ist die Iris. Weiter vorn im Rätsel vielleicht als Schwert-Lilie. Die botanischen und historischen Referenzen müssten noch erschlossen werden.

Gerade kommt mir eine neue Idee: Das Veilchen! Im "Veilchen" im Gesicht liegt ja auch das Auge.
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Re: Im ersten Lenz entsprossen (368)

Beitragvon Otto » 18.07.2012 18:32

Iris ist der botanische Name der Schwertlilie. zur Lilie habe ich im zweiten Beitrag schon was geschrieben ("Die Lilie war jedenfalls in Frankreich früher das Zeichen, mit dem Verbrecher gebrandmarkt wurden..."). Aber das alles sind nur Bruchstücke.
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Re: Im ersten Lenz entsprossen (368)

Beitragvon Quadwo » 08.08.2012 07:42

Mein Vorschlag:
Lösung oder Tipp: Anzeigen
Schneerose


Interpretation:
Lösung oder Tipp: Anzeigen
Im ersten Lenz entsprossen, /Die (erste) Frühlingsblume schlechhin...
Aus kleiner Wurzel schlank hervorgeschossen, /am Stängel wachsen keine Blätter
Von Duft und Tau begossen, /Duft, Tau, passt...
Entflieh ich, wenn der Sommer sich geschlossen. /(Der Haken?) Ist hier sicher, das Sommerende und nicht der Sommeranfang gemeint? Ev. auch von veränderter Sprache, im Sinne von 'Sobald sich der Sommer, dem Frühling angeschlossen', 'begonnen' hat'?

Den Mönchs- und Nonnenklöstern bin ich Feind, /Die beharren nämlich auf den Namen "Christrose", außerdem hat(te) die ev. Kirche mit Martin Luther eine Rose zum Symbol, welches obendrein auch noch sehr der fertigen Blüte einer Schneerose entspricht...
Nur halb und halb den Kapuzinern Freund. /1/2 Freund: Rose - Es gibt die Kapuzinerrose; 1/2 Feind: Schnee - Kapuzinerorden war ein Bettelorden - Schnee, Winter und Kälte gehören zu den natürlichen Feinden der Bettler...

Vormals der Freiheit Zeichen, /Whs. wieder die "Lutherrose" (stand ebenfalls für Freiheit)... Heutzutage gäbs da, dank der im 2.WK gegründeten Organisation "Weiße Rose" - (Die Wiederstands-) Freiheitskämpfer sogar noch eine schönere Begründung...
Wird jetzt mir oft ein hartes Los zu eigen,
Denn ach! von schönen Händen
Gefesselt, seh ich meine Freiheit enden.
Und wenn mir eine je die Freiheit schenkt,
So ist in Leid ihr junges Herz versenkt. /Generell gepflückte Blumen, allerdings auch sehr passend für die Schneerose, da sie (auch Heute noch)'oft' gepflückt wird, da sie nach dem Winter die Erste ist, welche die Wohnung wieder mit etwas natürlichem Grün erfüllen kann. Auch nur die Bezugnahme auf "Rose" würde ich für diese Zeilen gelten lassen, da diese noch dazu sehr gut mit dem "Freiheit schenken"->"Leid", als Ende eine Liebe passt.

Zum Schlusse nur noch eins: es fasst in mir
Den schönsten Stein der größte Juwelier. /(Schnee)rose =>schütteln => Eros, Gott der Liebe!
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Re: Im ersten Lenz entsprossen (368)

Beitragvon Engelchen » 08.08.2012 08:45

Beide Daumen hoch!

Nach dem Lesen Deines Lösungsvorschlages noch skeptisch, hat mich Deine Interpretation fasziniert und überzeugt.
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Re: Im ersten Lenz entsprossen (368)

Beitragvon Engelchen » 08.08.2012 14:33

Stützen die folgenden Zeilen Quadwos These oder lassen sie erste Zweifel aufkommen?

Ehedem wurden Wurzel und Kraut als wilde Christwurz, Läusekraut, Bärenfuß arzneilich benutzt. H. niger L. (schwarze Nieswurz, Christwurz, Christblume, Christrose, Weihnachts-, Winter- oder Schneerose, s. Tafel »Giftpflanzen II«, Fig. 3), mit schiefem oder senkrechtem, sonst dem des H. viridis ähnlichem Rhizom, zahlreichen stielrunden Nebenwurzeln, fußförmigen, gegen die Spitze hin entfernt gesägten Blättern, einfachem, ein- bis dreiblütigem Blütenschaft und großer weißer, später rötlicher Blüte, von November bis März blühend, wächst in der Waldregion der östlichen und südlichen Alpen, in Schlesien, Böhmen, Salzburg, Steiermark, Krain, in der Provence, in Italien und Griechenland. Die Wurzel wurde früher ebenfalls arzneilich benutzt und enthält dieselben Bestandteile wie die von H. viridis. Aus der Wurzel geschnittene Stäbchen dienen in Rumänien als Abortivmittel. Die Blüten benutzt man zu Totenkränzen und als Weihnachtsschmuck. ....


aus: http://www.zeno.org/Meyers-1905/A/Helle ... schneerose



Hauptblütezeit wäre demnach im Winter.?
Aber die Blüten in den Todenkränzen würde passen zu - "So ist in Leid ihr junges Herz versenkt." - für im Kriege gefallene junge Männer. ?
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