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Nicht stumpf ist's und nicht schneidig (616)

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Nicht stumpf ist's und nicht schneidig (616)

Beitragvon Otto » 25.01.2012 14:37

Siehe Rätselgedicht Nr. 616:

http://www.janko.at/Raetsel/Verse/0616.htm

Lange Zeit war die Lösung vakant, seit vorgestern gibt es die Lösung dafür, gefunden von Alexander. Allerdings ist das Rätsel noch nicht vollständig gelöst, da ein oder zwei Verse noch unklar sind. Aüberlegungen dazu aus dem Mailwechseln mit Alexander und Engelchen:

►'s ist billig, vor allem kräftig,
►Macht Diener im Garten geschäftig.

Alexander: Recht und billig und rechtskräftig ist der Arbeitsvertrag für den Diener (im Garten? - keine Ahnung)

Otto: Ich glaube übrigens nicht, dass zu Brentanos Zeiten die Diener im Garten Arbeitsverträge hatten; der Vers muss etwas anderes bedeuten.

Alexander: ich glaube schon, dass zu Brentanos Zeiten Arbeitsverträge existiert haben, auch für Diener. Das ist ja Ende des 19. Jh, Anfang 20. Jh...und die Anfänge des Arbeitsrechts liegen deutlich früher, auch wenn es natürlich noch keine Tarifverträge und dergleichen gibt. Irgendeine Form von Schriftstück, die die Rechte und Pflichten des Arbeitenden regelt, garantiert...vielleicht auch im Garten ;) Aber du hast völlig Recht, dass die Lösung an der Stelle trotzdem nicht wirklich einleuchtet. Also habe ich nochmal nachgedacht und bin auf eine bessere Lösung gekommen. Was macht der geschäftige Diener im Garten? Er recht das Beet (mit dem Rechen). Ich denke, das dürfte das sein, was Brentano meinte, oder?

Otto: Könnte sein. Allerding passt die Formulierung nicht ganz: "rechen macht Diener im Garten geschäftig"? Diener und Garten sind evtl. nur im Übertragenen Sinne zu verstehen. Beispiesweise könnte der Garten das Rechtswesen sein, der Diener ein Richter (jemand, der dem Recht dient). Aber überzeugend ist das auch nicht.

Alexander: ich habe das mit dem Diener so verstanden: "Der Diener" ist erst einmal völlig unbestimmt. In dem Moment, in dem ich "RECHT" hinzugebe, wird daraus "Der Diener recht", also wird durch RECHT der Diener im Garten geschäftig - also auch eher im übertragenen Sinne. Was dafür sprechen würde, ist die Tatsache, dass wenn man in Homonymen denkt, "er/sie/es recht" praktisch als einzige Doppeldeutigkeit eines anderen Wortstammes übrigbleibt, die Brentano in das Gedicht einbauen konnte...außer vielleicht etwas mit "er rächt", aber das sehe ich nirgendwo.

Engelchen: Bin am Überlegen, ob man diese Redewendung irgendwie in Bezug bringen
könnte: http://de.wiktionary.org/wiki/den_Bock_ ... ner_machen

►Beim Pochen dröhnt's, das klingt fatal,
►Gibt's auch als Amboss festen Stahl.

Alexander: Ich finde auch die Erklärung mit dem Amboss noch nicht so ganz optimal. Aber vielleicht bezieht sich das ja auf dieses Gedicht von von Fallersleben?

Zum Amboß hielt ich mich zu schlecht,
zum Hammer war ich euch nicht recht.
So bin ich Amboß nicht noch Hammer
und rufe frei von Herzensjammer:
So ist es gut, so ist es recht,
Niemandes Herr, Niemandes Knecht !
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Re: Nicht stumpf ist's und nicht schneidig (616)

Beitragvon Lupiro » 25.01.2012 17:07

Ein Gärtner recht mit einem Rechen!
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Re: Nicht stumpf ist's und nicht schneidig (616)

Beitragvon Otto » 25.01.2012 17:30

@Lupiro: Ja, das steht schon weiter oben von Alexander: "Er recht das Beet (mit dem Rechen)." Auch der Einwand dazu: "rechen macht Diener im Garten geschäftig"? Aber vielleicht sollte man nicht wirklich alls zu sehr zerpflücken und es ist tatsächlicht "recht mit einem Rechen" gemeint. (Und Diener sind Gärtner, damit kann man auch leben.)
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Re: Nicht stumpf ist's und nicht schneidig (616)

Beitragvon Engelchen » 25.01.2012 22:30

Inzwischen habe ich mir auch zu diesem Versrätsel weitere Gedanken gemacht.

Zum Amboss:
Auch in einem Gedicht von Goethe taucht ein Amboss auf.

> Kophtisches Lied
> Geh, gehorche meinem Winken,
> Nutze deine jungen Tage,
> Lerne zeitig klüger sein:
> Auf des Glückes großer Waage
> Steht die Zunge selten ein;
> Du mußt steigen oder sinken,
> Du mußt herrschen und gewinnen,
> Oder dienen und verlieren,
> Leiden oder triumphieren,
> Amboß oder Hammer sein.
> Johann Wolfgang von Goethe

Dazu die Erklärung :

http://de.wikiquote.org/wiki/Amboss


Oder die Deutung gelinkt über Ambo (griechisch) - Lesepult - Tisch des Wortes
http://de.wikipedia.org/wiki/Ambo



'Macht Diener im Garten geschäftig' :

Es geht hier um Augustinus von Hippo

> 391 ging er nach Hippo, um für die „Gottesdiener“ ein Kloster zu gründen; .... Valerius stellte Augustinus ein Grundstück zur Verfügung, auf dem dieser das erste Kloster auf afrikanischem Boden gründete. 394 weihte Valerius ihn zum Auxiliarbischof, der den Bischof zunehmend als designierter Nachfolger vertrat. Nach dem Tode des Valerius wurde Augustinus 396 Bischof von Hippo, eine Position, die er bis zu seinem Lebensende innehatte. Mit dem kontemplativen Leben war es vorbei, als Bischof musste er predigen und sich mit Fragen des Rechts und der Verwaltung beschäftigen...

Auch wenn hier Diener, Garten im weitesten Sinne (Klostergarten) und Recht auftauchen - ist wohl doch zu weit hergeholt!

Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Augustinus_von_Hippo
Engelchen
 
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