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Ein echtes Wienerlied

Roland Neuwirth

Er hat an Abgang gmacht,
Er hat die Patschn gstreckt,
Er hat a Bankl grissn,
er hat se niedaglegt,
Er hat se d' Erdäpfel von unt angschaut,
Er hat se sozusagn ins Holzpyjama ghaut.

Er hat die Bock aufgstellt,
Er hat an Wuaf angsagt,
Er hat se d' Schleifn gebn,
Er hat die Stufn packt,
Er is umegstandn,
Er hats umebogn
Er is als arme Sööö zum Petrus aufe gflogn.

Er hat se abelassn, wia des so schee haßt,
Er ist nachschaun gangen, ob der Deckl paßt,
Zerst hams eam außetragn mit de Fiaß voran,
Jetzt lacht er si statt d' Madln drunt die Wirma an.

[...]

Wörtliche hochdeutsche Übersetzung

Wienerisch Hochdeutsch
Er hat an Abgang gmacht,
Er hat die Patschn gstreckt,
Er hat a Bankl grissn, hat se niedaglegt,
Er hat se d' Erdäpfel von unt angschaut,
Er hat se sozusagn ins Holzpyjama ghaut.
Er hat einen Abgang gemacht,
Er hat die Stoffpantoffeln gestreckt,
Er hat eine Bank gerissen, hat sich niedergelegt,
Er hat sich die Kartoffeln von unten angeschaut,
Er hat sich sozusagen das Holzpyjama angezogen.
Er hat die Bock aufgstellt,
Er hat an Wuaf angsagt,
Er hat se d' Schleifn gebn,
Er hat die Stufn packt,
Er is umegstandn,
Er hats umebogn
Er is als arme Sööö zum Petrus aufe gflogn.
Er hat die Schuhe aufgestellt,
Er hat einen Wurf angesagt,
Er hat sich die Schleife gegeben,
Er hat die Stufe genommen,
Er ist hinüber gestanden,
Er hat hinüber gebogen,
Er ist als arme Seele zum Petrus hinauf geflogen.
Er hat se abelassn, wia des so schee haßt,
Er ist nachschaun gangen, ob der Deckl paßt,
Zerst hams eam außetragn mit de Fiaß voran,
Jetzt lacht er si statt d' Madln drunt die Wirma an.
Er hat sich hinuntergelassen, wie es so schön heißt,
Er ist nachschauen gegangen, ob der Deckel passt,
zuerst haben sie ihn hinausgetragen, mit den Füßen voran,
Jetzt lacht er sich statt den Mädchen dort unten die Würmer an.

Immer noch nicht alles verstanden? Dann mal langsam:

Erklärungen

Er hat an Abgang gmacht,

Er ist gestorben.

Gemeint ist der endgültige Abgang von der Bühne des Lebens, auf der er einer der Schauspieler war.

Er hat die Patschn gstreckt,

Er ist gestorben.

Seine Patschen (Schuhe, Hausschuhe) wurden endgültig auf den Schuhstrecker gespannt.

Er hat a Bankl grissn,

Er ist gestorben [Etymologie?]

hat se niedaglegt,

Er ist gestorben.

Er hat sich endgültig zur Ruhe gelegt. 

Er hat se d' Erdäpfel von unt angschaut,

Er ist gestorben. Erdäpfel = Kartoffeln. Erdäpfel kann man nur von unten anschauen, wenn man unter der Erde liegt, also begraben ist.

Er hat se ins Holzpyjama ghaut.

Er ist gestorben.

Er hat sich "den Sarg angezogen", also in den Sarg gelegt. "Sich in die Kleider hauen" = "Kleider anziehen".

Er hat die Bock aufgstellt,

Er ist gestorben.

Bock = Schuhe. Wenn ein Toter auf dem Rücken liegt, die Schuhe angezogen, sind die Schuhe "aufgestellt"; d.h. berühren nicht mit der Sohle den Boden.

Er hat an Wuaf angsagt,

Er ist gestorben.

Wenn man in Wien stolpert (oder besser hinfällt) dann hat man einen „an Wurf angsagt“. Tote stehen eben nicht, die fallen um. [Alfred Moser]

Den großen Wurf machen, ein Ziel erreichen. Im Stossspiel: den Karten "wurf", den Sieg der Partie, ansagen. [Reinhard Vock]

Er hat se d' Schleifn gebn,

Er ist gestorben. Gemeint ist die Schleife auf dem Kranz, der das Grab ziert.

Er hat die Stufn packt,

Er ist gestorben.

Der Himmel ist nur 3 Stufen weg (Sprichwort), gemeint sind die Sakristeistufen (3 Stück) [Reinhard Vock]

Er is umegstandn,

Er ist gestorben.

Er ist im obersten Stock angekommen (und das ohne Lift) – „er hat es geschafft“. [Alfred Moser]

Wenn etwas "umsteht" verdirbt es, im Sinn von: wenn man es nicht (in den Eiskeller) wegräumt. [Reinhard Vock]

Er hats umebogn

Er ist gestorben.

Wenn irgendeine schwere Arbeit erfolgreich fertig gestellt ist, sagt man „des hab i guat umebogn“ (vergleichbar mit einem Schmied, der mit dem herumbiegen von Eisen fertig ist) - auch gleichbedeutend mit „gut hinbekommen“. Der Verblichene hat eben sein Leben mehr oder weniger erfolgreich hinter sich gebracht und ist jetzt fertig. [Alfred Moser]

Etwas umebiegen bedeutet es hinter sich bringen, kommt aus der schweren Arbeit der Küfer, die Fassbänder mit schweren Zangen "umbiegen" mussten. [Reinhard Vock]

Er is als arme Sööö zum Petrus aufe gflogn.

Er ist gestorben.

Er ist als arme Seele zum Petrus hinauf geflogen, also in den Himmel gekommen.