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Schlagschach

Regeln und Figuren im Märchenschach

Schlagschach oder Räuberschach ist eine Märchenschachvariante, in der Schlagzwang herrscht und bei der man gewinnt, indem man (im orthodoxen Sinne) verliert. Hat der Ziehende die Möglichkeit, mehrere Figuren zu schlagen, ist es ihm freigestellt, welche der Figuren er schlägt.

Der König hat keinerlei Sonderrechte; er kann (und muss!) wie jede andere Figur auch geschlagen werden. Es gibt weder Schach noch Schachmatt. Ein Bauer kann in einen König umwandeln.

Bezüglich der Rochade gibt es zwei Regelvarianten:

a) Die Rochade folgt weitestgehend den orthodoxen Regeln; d.h. weder König noch Turm dürfen bereits gezogen haben; allerdings ist die "Schach-Regel" außer Kraft gesetzt (d.h. der König darf ein Schachfeld überqueren oder auf ein Schachfeld ziehen - es gibt ja kein Schach!) Dies ist die Standard-Regel.

b) Die Rochade ist nicht erlaubt. Dies muss ggf. in der Aufgabenstellung angemerkt werden.

Eine Partie ist von demjenigen gewonnen, der nicht mehr ziehen kann; entweder weil alle seine Figuren geschlagen wurden oder weil er im Patt steht.

Der Schlagzwang ist eine sehr schwerwiegender Einschränkung bei der Konstruktion legaler Stellungen und deren Beweispartien. Damit werden sehr tiefschürfende Analysen anscheinend harmloser Stellungen möglich. Hier ist ein Beispiel:

 

Wolfgang Dittmann

feenschach 91, May 1989

1. Preis feenschach 1989

[rnbqkbnr/pppp2p1/3p1p2/8/1P3P2/8/P1PPP2P/RN1QKBNR]

14+15. Was war der erste Zug den weißen Bf2? (Schlagschach)

[rnbqkbnr/pppp2p1/3p1p2/8/1P3P2/8/P1PPP2P/RN1QKBNR]

 

Welche Figur wurde auf d6 geschlagen? Der fehlende weiße Läufer kann d6 nicht erreicht haben, ohne auf c7 oder e7 zu schlagen. Hat eventuell eine weiße Figur auf d6 geschlagen? Es fehlt aber nur eine einzige schwarze Figur, der Bh7. Nehmen wir beispielsweise Lc1-a3×d6 an, müsste der Bh7 nach h×g umgewandelt haben. sBh×wBg kann jedoch nicht arrangiert werden, da Weiß zuerst schlagen müsste (oder unmittelbar danach, falls h4×g3 e.p.). Weiß kann nicht durch L×d6 davon abgehalten werden, den schwarzen Bauern zu schlagen, da Schwarz unmittelbar mit e7×d6 antworten müsste.

Es zeigt sich, dass nur ein weißer Springer (oder ein weißer König) auf d6 geschlagen werden kann, ohne dass eine schwarze Bauernumwandlung notwenig ist. Dann muss allerdings der weiße Bg2 nach g×h auf h8 umwandeln, um die fehlende Figur zu ersetzen. Eine derartige Umwandlung ist nur möglich, wenn Schwarz davon abgehalten werden kann, den weißen g-Bauern zu schlagen - beispielsweise, indem er den Bd2 schlägt, zwischen den weißen Zügen g5-g6 und g6×h7. Jetzt kann der umgewandelte weiße Springer h8 verlassen, ohne selbst schlagen zu müssen (ein umgewandelter König könnte das nicht).

weitere Figuren schlagen müssen? Die einzige Möglichkeit ist sS×Lb2. Der Läufer kann nach b2 gehen, ohne auf f6 oder g7 schlagen zu müssen, wenn die Diagonale h1-h8 von einer weißen Figur blockiert ist. Nach dem Schlagen auf b2 muss der schwarze Springer b2 ohne weiteren Schlagfall verlassen. Sb2-a4 erfordert einen weißen Bauern auf b4 (von b2); Sb2-a4-c5 ist also nicht möglich. Nach Sb2-a4-b6 kann nicht Sb6-c4 folgen (wegen des weißen Bd2) und auch nicht Sb6-d5 (wegen des weißen Bb4). a8, c8 und d7 waren nie unbesetzt. Die Zugfolge Sb2-a4-b6 ist also nicht möglich.

Die einzige Möglichkeit, b2 zu verlassen ist daher Sb2-d1-f2-h3-g5. Dies erfordert, dass f2-f2 vor f3-f4 erfolgt. Die Antwort auf die Frage der Problemstellung ist also: Der erste Zug des Bf2 war Bf2-f3.

Zur Verdeutlichung geben wir eine (nicht eindeutige) Beweispartie an:

1. Na3 Nf6 2. Nc4 Nd5 3. Nd6 exd6 4. Nh3 Nb6 5. g4 Ke7 6. b4 Ke6 7. f3 Qe8 8. Kf2 Be7 9. Ke3 Bd8 10. Kd4 Qe7 11. Nf2 Re8 12. Nd3 Qf8 13. Bb2 Re7 14. Qb1 Qe8 15. Nc1 Qf8 16. g5 Na4 17. g6 Nxb2 18. gxh7 Nd1 19. Kd3 f6 20. Kd4 Qf7 21. h8=N Qg8 22. Ng6 Re8 23. Nh4 Be7 24. Ng2 Nf2 25. Rg1 Nh3 26. Rh1 Ng5 27. f4 Nf7 28. Ne3 Nh6 29. Nd1 Qf7 30. Nc3 Rh8 31. Nd3 Bf8 32. Ne1 Qe8 33. Nf3 Qd8 34. Qd1 Ke7 35. Ke3 Ke8 36. Kf2 Rg8 37. Ke1 Rh8 38. Nb1 Ng8 39. Ng1