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Stichwort "Rätsel"

Was die Encarta dazu zu sagen hat:

Rätsel, eine Denkaufgabe, bei der es darum geht, einen bildhaft beschriebenen Gegenstand, eine Person oder einen Vorgang oder ähnliches zu erraten. Bei einem Rätsel stehen die Verschlüsselung und die Lösung in einer ganz bestimmten Beziehung zueinander. In einigen Fällen wird die Lösung durch bewusste Irreführung erschwert. Im Prinzip kennt man zwei Kategorien von Rätseln: die nichtlösbaren, wie z. B. Deutungen (religiöser oder philosophischer Natur), Prophezeiungen u. a., und die lösbaren Rätsel. Letztere dienen meistens der Unterhaltung und haben spielerischen Charakter. Es gibt Rätsel in verschiedenen Formen. Sie können z. B. in einfachen Fragen, in Gedichten oder sogar in Märchen oder ganzen Erzählungen enthalten sein. Man kennt beispielsweise Buchstaben- (Logogriph), Zahlen- (Arithmogriph), Silben- (Scharade) und Bilderrätsel sowie Palindrom (z. B. Reliefpfeiler rückwärts gelesen: Reliefpfeiler), Homonym (Stichwort: „Teekessel") und das Anagramm (Buchstabenumstellung eines Wortes zu einem neuen Wort). Akrostiken nehmen den ersten Buchstaben des ersten Wortes in jeder Zeile eines Verses oder einer Gruppe von Wörtern und bilden daraus ein anderes Wort.

Mündliche Rätsel entstanden vermutlich bereits mit der Entwicklung der menschlichen Sprache. Der Ursprung des Rätsels als Form der Volksdichtung liegt im Orient. Eine der ältesten Ratevorrichtungen, ein riesiges Labyrinth, stammt der Überlieferung nach aus der Zeit von Amenemhet III. (um 1800 v. Chr). Das älteste bekannte schriftliche Rätsel ist ein Worträtsel auf einer Tafel, das wahrscheinlich von den Babyloniern stammt. Derartige Rätsel kennt man auch aus vielen alten Dokumenten wie beispielsweise der Bibel und Sanskritmanuskripten. Beispiele für Rätsel aus der griechischen Dichtung stammen u. a. von Homer, Hesiod, Heraklit, Platon und Herodot. Magische Quadrate stellen eine alte Art der Zahlenrätsel dar und entstanden gegen Ende des ersten Jahrhunderts n. Chr. in China. Die Aufgabe besteht darin, Zahlen so in einem Quadrat anzuordnen, dass die Reihen, Spalten und Hauptdiagonalen immer gleiche Summen bilden. Die erste lateinische Rätselsammlung stellte Symphosius Ende des 4., Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr. zusammen. Auch aus der arabischen und jüdischen Dichtkunst sind frühe Zeugnisse des Rätsels bekannt. Ähnliches gilt für altnordische Überlieferungen.

Etwa Anfang des Mittelalters begann mit den Versen und Liedern der Spruchdichter und Meistersänger die Tradition der Rätsel in deutscher Sprache. Später um das 15. Jahrhundert erschienen in der Anfangsphase des Buchdruckes die ersten gedruckten Rätsel. Während des Barock waren Bilderrätsel sehr beliebt. Als literarische Kunstform erlebte das Rätsel seine Blütezeit im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts.

Heutzutage findet man Rätsel u. a. in Kinderbüchern und Unterhaltungsmedien, wie beispielsweise in Zeitschriften (Kreuzworträtsel) und Rundfunk oder Fernsehsendungen (Quiz).

Computerrätsel gibt es seit Mitte der siebziger Jahre in Form der Adventurespiele, einer interaktiven Reihe von Rätseln, die von Willie Crowther und Don Woods auf ARPANET, dem Vorläufer des Internet verbreitet wurden.