Ich möchte gerne noch eine andere Blume ins Spiel bringen: die Kornblume bzw. die blaue Blume der Romantik.
Der Post ist am Ende dann doch ziemlich lang geworden, dafrü möchte ich mich schon einmal entschuldigen
Die Kornblume (blaue Blume der Romantik)
1. Argument: sie ist schlank und blüht vom Frühling bis Anfang Herbst laut Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Kornblume2. Die blaue Blume der Romantik steht unter anderem für das Streben nach dem Unendlichen und laut Wiki später auch für den Wunsch nach "dem fernen Fremden"; zusätzlich ist die blaue Blume auch ein Zeichen der Aufklärung, somit der Befreiung des Menschen aus Handlungs- und vor allem Denkzwängen und die Selbsterkenntnis; gleichzeitig steht sie
später auch für Sehnsucht, Hoffnung und Treue
3. In Novalis' Text „Heinrich von Ofterdingen“, der als Ursprung der metaphorischen "blauen Blume" gilt, findet sich folgende Beschreibung: "
Dunkelblaue Felsen mit bunten Adern erhoben sich in einiger Entfernung; das Tageslicht [,] das ihn umgab, war heller und milder als das gewöhnliche, der Himmel war schwarzblau und völlig rein. Was ihn aber mit voller Macht anzog, war eine hohe lichtblaue Blume, die zunächst an der Quelle stand, und ihn mit ihren breiten, glänzenden Blättern berührte. Rund um sie her standen unzählige Blumen von allen Farben, und der köstlichste Geruch erfüllte die Luft. Er sah nichts als die blaue Blume, und betrachtete sie lange mit unnennbarer Zärtlichkeit. Endlich wollte er sich ihr nähern, als sie auf einmal sich zu bewegen und zu verändern anfing; die Blätter wurden glänzender und schmiegten sich an den wachsenden Stengel, die Blume neigte sich nach ihm zu, und die Blüthenblätter zeigten einen blauen ausgebreiteten Kragen, in welchem ein zartes Gesicht schwebte.", was meiner Meinung nach sehr gut zu der Sache mit Duft und Tau (nah an der Quelle) passt.
4. Mönchs- und Nonnenkloster: a) zum einen könnte man behaupten, dass Mönchs- und Nonnenkloster nichts mit Freiheit, Sehnsucht, Romantik etc. anfangen können, Kapuziner als Asketen auch nicht. Allerdings geht es ja um Feindschaft. b) Die Kornblume war lange Zeit ein "gefürchtetes Ackerunkraut" (Wiki), also Feind derjenigen, die die Äcker bearbeiteten oder von den Ackererträgen der Lehen profitierten, also die Klöster. c) Drittens war die Kornblume auch das Symbol der deutschnationalen, antisemitischen und auch antiklerikalen Schönerer-Bewegung in Österreich; Schönerer bekämpfte den Katholizismus und war Teil der Los-von-Rom-Bewegung, somit ein klarer Feind der Klöster
http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_von_Sch%C3%B6nerer5. Warum nur halb ein Freund der Kapuziner? Die Kapuziner zeichneten sich einerseits durch Askese aus, andererseits im Mittelalter aber auch durch ihre soziale Arbeit mit den Armen und vor allen den Kranken. Das umfasster auch die Behandlung der Pestkranken (
http://de.wikipedia.org/wiki/Kapuziner), und die Kornblume galt im Mittelalter als Heilpflanze gegen die Pest, so sagen es zumindest Heilkräuter-Websites wie diese
http://www.heilkraeuter.de/lexikon/kornblume.htm (ob das so stimmt, kann ich nicht sagen). Wenn es stimmt, dann wäre die Kronblume durchaus den Kapuzinern "halb und halb Freund", entweder "nur" halb Feind wie den anderen Klöstern oder vielleicht sogar halb und halb im Sinne einer zerschnittenen/gebrochenen Heilpflanze.
6. Die Sache mit dem harten Los, gefesselt, junges Herz in Leid etc. Nach Wiki erfuhr die Kornblume ab Anfang des 19. Jh. einen Bedeutungswandel im Zuge des frühen Todes der preußischen Königin Luise. Diese hatte für ihre Söhne auf der Flucht vor Napoleon Kränze aus Kornblumen geflochten (gefesselt) (
http://www.welt.de/kultur/article578341 ... rehrt.html), daher machte Wilhelm der I. die Blume zur preußischen Blume, seine Mutter wurde mythologisiert als Symbol für Opferbereitschaft und Leiden, wozu ihrer früher Tod natürlich auch beigetragen hat. Da die Kornblume dann auch für Treue steht, kann man das "Freiheit schenkt" auch als aufgeben eines Treueversprechens lesen, das mit einer Kornblume besiegelt wurde, siehe auch das Gedicht von Geibel
http://www.poesie-liebesgedichte.de/gei ... -kranz.htm7. Zum Schlüsse/den schönsten Stein der größte Juwelier etc...: das erschließt sich mir noch nicht ganz. Möglich wäre
a) ein Bezug zu Lapislazuli, der früher auch Kornblumenstein genannt wurde (
http://books.google.de/books?id=HZREAAA ... in&f=false). Er kommt auch bei Novalis vor, wie oben in der zitierten Passage zu lesen ist "Dunkelblaue Felsen mit bunten Adern", und im Lapislazuli sind andere Mineralien eingeschlossen (z.B. Pyrit). Allerdings geht es ja um die Kornblume, nicht den Stein...
b) In der Szene mit der Blume schreibt Novalis: "und die Blüthenblätter zeigten einen blauen ausgebreiteten Kragen, in welchem ein zartes Gesicht schwebte." Dieses Gesicht, so erfährt man später ist das der Mathilde, der großen Liebe des Erzählers. Insofern könnte man behaupten, dass die Kornblume Mathilde in sich (ein)fasst. Stein und Juwelier kann ich dann aber nur noch so zurechtbiegen, dass die geliebte Person der schönste Edelstein ist (vorher schreibt Novalis: "Nicht die Schätze sind es, die ein so unaussprechliches Verlangen in mir geweckt haben, sagte er zu sich selbst; fern ab liegt mir alle Habsucht: aber die blaue Blume sehn' ich mich zu erblicken.") und die Natur oder Gott der größte Juwelier...
Wenn ihr jetzt noch nicht eingeschlafen seid, dann würde ich mich über Kommentare sehr freuen. Vielleicht ist das auch nur meine übersprudelnde Fantasie
Grüße
Al