Der Drache (675)

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Re: Der Drache

Beitragvon Engelchen » 30.06.2012 15:12

Für dieses Rätsel wäre mir eine Lösung stimmig, die das "Böse" schon in sich trägt und eigentlich - wehe wenn es freigelassen - sogleich seine verheerende Wirkung erzeugt. Deshalb scheiden für mich Lösungen aus, die eigentlich einer guten Sache dienen und nur durch unsachgemäßen Gebrauch zu Gefahren werden.

Das Feuer für sich allein genommen, liegt bei meinen Überlegungen genau dazwischen. Dass es im Rätsel genannt wird, würde mich nicht stören. Hier würde mir aber dann der Beginn des Rätsels nicht gefallen, weil das Feuer dann so dargestellt würde, als wenn es ausschließlich eine vernichtende Wirkung hätte.

Nach diesen Überlegungen blieben von den bisherigen Vorschlägen dann nur Vulkan, die Bestie Mensch und Kanonenkugeln übrig.

Die dichten Gitter hätte ich bei meinem Lösungsvorschlag in den Öffnungsluken, duch die nur das Rohr der Kanone ragt, gesehen. Vielleicht auch symbolisch - dichte Gitter = dichte Mauern. Und auch wenn ein Kerker fensterlos war, irgendeine Zugangsluke mußte es ja geben. Und den Tod selbst findet ja die Kanonenkugel auch. Wobei ich letzteres so nicht interpretieren würde.

Denn nach wie vor möchte ich die drei letzten Zeilen als Warnung an den Menschen vor diesem "Lösungswort" sehen. Hüte Dich, schau was passiert ist, dieser trägt unheilbare Wunden, dieser hat den Freund verloren und dieser gar sein Leben - dieser hat selbst den Tod gefunden.
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Re: Der Drache

Beitragvon Otto » 30.06.2012 17:57

"Für dieses Rätsel wäre mir eine Lösung stimmig, die das "Böse" schon in sich trägt" -- wieso das?

"wehe wenn es freigelassen" -- Das trifft auf alle Naturgewalten zu. Und auf alles, was außer Kontrolle geraten kann. Das hat nichts mit gut und böse zu tun.

Eine Kanonenkugel kann weder gut noch böse sein, gut oder böse kann nur eine Mensch sein (ein Wesen, das ein moralisches Gewissen hat, ein "Über-Ich"). Gleiches gilt für den Vulkan und auch für alle anderen unbeseelten Dingen.

"die Bestie Mensch" -- Das ist eine Tautlogie. Ein böser Mensch ist böse. Wenn schon, dann der Mensch an sich. Aber ob der Funken speit?
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Re: Der Drache

Beitragvon Engelchen » 30.06.2012 18:58

Ach Otto, Sie verstehen mich mal wieder nicht - gute und böse Kanonenkugeln ??? Ja, das Wort "böse" ist schlecht gewählt, besser wäre "gefährlich". Wenn dies kein Rätsel wäre, sondern ein Gedicht - von Anfang bis Ende wird die Gefährlichkeit (hier des Drachens) dargestellt und am Ende davor gewarnt. Das Analogon hierzu wäre für mich nicht das harmlose Feuerzeug, mit dem man natürlich auch ein verheerendes Feuer entfachen kann, sondern etwas, was explodiert, was vernichtet, sobald es nicht mehr im Zaum(e) gehalten werden kann ( im "Kerker" festgehalten wird ) oder absichtlich "frei" gelassen wird.
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Re: Der Drache

Beitragvon Kirchenmusiker » 30.06.2012 20:01

Bei Dampfmaschine dachte ich dann gleich an die mobile Version, also die Dampflokomotive. Aber dazu höre ich Otto:
Otto hat geschrieben:um 1820? (Da war das Rätsel schon gedruckt.)

Doch dann lese ich wiederum
Wikipedia hat geschrieben:1804 baute dann Richard Trevithick die erste auf Schienen fahrende Dampflokomotive.

Vielleicht mag jemand mal in diese Richtung weiterdenken.

__________
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Re: Der Drache

Beitragvon ascot » 30.06.2012 20:46

Otto hat geschrieben:Textfehler -- Danke, wird korrigiert. Waren aber gottseidank nicht sinnentstellend.


Stimmt. Sie entstellten aber mein Textverständnis: Ich übersetzte "nicht minder" in meinem Kopf immer mit " nicht mehr", also: Weil wir uns vor dem Tier nicht mehr fürchten wollten, haben wir es hinter Gitter gesperrt. Mit "Weil" ergeben die ersten vier Zeilen eigentlich keinen rechten Sinn, aber das fällt einem bei solchen klassischen Dichterformulierungen nicht sehr leicht auf. Mein Fehler.

Zur zeitlichen Einordnung des Gedichts: Franz Brentano lebte doch 1838-1917, also stelle ich mir seine Gedichte immer als Werke des Fin-de-siècle, sprich rund um 1900, vor. 1820, wie hier am Anfang des Strangs angegeben, ist jedenfalls viel zu früh.

Ich schlage gerade im Buch nach: Das Vorwort zur 1. Auflage ist mit "Wien, am 4. November 1878" datiert, das Vorwort zur 2. Auflage mit "Florenz, Ostern 1909" und das zur 4. Auflage mit "Manchester, November 1933". Die dritte Auflage erschien laut Vorwort "nicht lange nach dem Tode Franz Brentanos (17. März 1917)" und enthielt als Ergänzung "eine Reihe von Rätseln aus den letzten Jahren". Ob dieses Rätsel wohl schon in der 1. Auflage stand?
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Re: Der Drache

Beitragvon Engelchen » 30.06.2012 20:52

Wollte ich früher schon mal posten, aber dann waren wir weg von den Dampfkesseln.
(Weiß jetzt auch nicht mehr, wo genau gelesen)

Verschiedene Ursachen wie unzureichendes Material, fehlerhafte Bedienung oder Überbelastung führten im
19. Jahrhundert häufig zu Kesselzerknallen bei stationär aufgestellten und mobilen Dampfkesseln. Durch diese Unfälle waren oft Menschen betroffen, die von weggeschleuderten Bauteilen und austretendem Dampf verletzt oder getötet wurden.
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Re: Der Drache

Beitragvon Otto » 30.06.2012 21:44

Tja, was haben wir nun? Viele Möglichkeiten, aber überzeugen tut mich keine. Nirgendwo das Gefühl, "ja, das muss es sein". Ganz anders beispielsweise beim "Aufs ärgste malträtiert" Rätsel, da ist glasklar, das muss die Lösung sein, da passt jede Zeile und jede Zeile hat einen Sinn.

Kommt mir gerade in den Sinn: "Ein Bief", der in einem Briefkuvert gefangen ist. Der Inhalt kann sehr wohl töten, zu Selbstmord treben, etc. Das Wort ist die fürchterlichste Waffe die es gibt. Das einzige Problem sind die Funken :-(
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Re: Der Drache

Beitragvon Quadwo » 03.07.2012 20:59

Ok, so 100% stimmig war der Mörder wirklich nicht, aber ich habe mir nun, noch einmal Gedanken um die letzten Zeilen gemacht und das Rätsel von hinten aufgerollt. Der hat selbst den Tod gefunden spricht für mich auch etwas an, dass im 19. Jahrhundert ausgedient hatte, womöglich auch durch etwas erneuert, verbessert wurde. Um es einzukreisen, genügt hierbei dann der vorletzte Satz: Der ward um den Freund gebracht kann auch für: 'Er/Es' hat seine Zustimmung, Anhänger, Freunde verloren stehen. Also etwas, dass im 19. JH (oder davor) abgeschafft wurde. Hüt' dich vor der Höllenmacht! Der trägt unheilbare Wunden Es muss einfach etwas gefährliches sein... Etwas, dass etwas anrichtete, was nicht wieder Rückgängig gemacht werden konnte. Dies brachte mich zu einem großen Thema:
1815 wurde die Folter im Kirchenstaat abgeschafft.

Also vielleicht ein Folterinstrument...?
Zeugen Funken, die es speit, Draußen ein verheerend Feuer. Vorzugsweise ein Folterinstrument, dass zwangsweise mit Feuer zu tun hat.
Als "Vorreiter" zur Entwicklung, des Verbots der Folter gelten die Hexenverbrennungen... Was mich wieder zu einer Lösung bringt, die Engelchen bereits vorgeschlagen hat:

Der Scheiterhaufen

Hierbei hätten die letzten Zeilen, auch durch Engelchens Argumentation noch eine weitere, sinnvolle Bedeutung. Um im Algorithmus zu bleiben...
Hält des Kerkers Dunkelheit; Fest das grause Ungeheuer, ...wo Dunkelheit, da kein Feuer, bzw. brennender Scheiterhaufen

Weh! vor seiner grimmen Gier. Mögen wir nicht minder zittern. ...wer würde nicht Angst vor einem Scheiterhaufen haben, dessen gierige Flammen zu seinem Opfer empor lodern?^^

Weiß ein beutelüstern Tier Das passt wohl auf so ziemlich auf alles, was gefährlich ist. Bleibt also nur die zweite Zeile, die nicht so richtig passen will, aber auch hierzu eine Idee:
Liegen hinter dichten Gittern. Scheiterhaufen zur Hexenverbrennung wurden meist mit Reisig aufgebaut, da dieses Holz/Geäst leichter entflammbar ist, als dickere Holzscheite. Wer schon mal einen Reisighaufen gesehen hat (oder einfach mal im Internet eingibt), sollte verstehen können, warum die Beschreibung "dichte Gitter" doch sehr treffend ist.

Vielleicht kann ich euch ja diesmal überzeugen ;)

mfg Quadwo
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Re: Der Drache

Beitragvon Otto » 04.07.2012 07:34

"Vielleicht kann ich euch ja diesmal überzeugen" -- ncht wirklich. Die "dichten Gitter" würde ich auch nicht unbedingt wörtlich nehmen, könnte man beispielsweise als "hohe Hürden" interpretieren. Allerdings waren beispielsweise die Hürden für die Todesstrafe nicht wirklich hoch.

Nehmen wir die Folter. Die Funken, die sie speit, sind die Schreie, die aus dem Folterkeller dringen. Das verheerend Feuer sind die Qualen des gefolterten. Die Höllenmacht ist die Inquisition. Nur so als als Ideensammlung, was passiert, wenn man nicht alles wörtlich nimmt sondern als Verschlüsselung.
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Re: Der Drache

Beitragvon ascot » 05.07.2012 22:08

Unabhängig von Otto habe ich auch einen Schritt zurück vom Konkreten ins Symbolische gemacht.

Neue Vorschläge:

Die böse Zunge: Eingesperrt hinter den Zähnen, verletzen ihre Funken doch.

Oder noch einen Schritt zurück: Ein schneidender Verstand. Im Schädel versperrt und doch verletzend.
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